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Die neue Welt · 1927-11-11 · Heft 8 (11.11.1927) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 8 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Mtfift DIE NEUE WELT Nr. 8 Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden« Angebote und Nachfragen. Liste XII. 1335 Firma in Bukarest sucht Vertretungen in Galanteriewaren, Spielzeug und Stoffen. 1336 Rrma in Bombay sucht Vertretungen in Stickereien, Samt, Bändern und Kunstseide. 1337 Firma in Braila will Sprechmaschinen und Schallplatten beziehen. 1338 Firma än Brüssel hat; Bedarf an Sägespänen. 1339 Firma, in Karlsbad erbittet Offerte in Rusterwcin. 1340 Firma in Wien sucht Vertretungen in Lebensmitteln. 1341 Firma in Köln a. Rh. äst Abnehmer für Bauholz, geschnitten. 1342 Firma, in DanzJg will Dieselmotoren und Kreiselpumpen beziehen. 1343 Firma in Jugoslawien erbittet Offerte in Pantoffelsamt. 1344 Firma in Warschau braucht Niccolumsulfuricum, Calium cyanatum und Grünspan. 1345 Firma in Novisad erbittet Offerte in Personenaufzügen. 1346 Firma in Bukarest sucht Vertretungen in Drogen und Chemikalien. 1347 Firma in Sao Paulo erbittet Offerte in allen Artikeln für Hotels (Wäsche, Geschirr, Möbel ,etc). 1348 Firma in Galatz will Furniere beziehen. 1349 Firma in Deutschland erbittet Offerte in Kistenbrettem. 1350' Firma in Paris sucht Vertretungen in Strick- und Wirkwaren., 1351 Firma in Rustschuk interessiert söch für Parfüm-, Spritzautomaten. 1352 Firma in Paris braucht Standuhren in Email in Form eines Regenschirmes. 1353 Firma in London sucht Vertretungen in Strickwaren •und Unterwäsche. 1355- Firma in Zürich sucht Verbindung, mit 'Velourfilz- . fabriken. 1356 Firma in London sucht Vertretungen in Seiden-' Stoffen, Samt, Seiden- und Gummibändern, Miedern, Strümpfen, Damenputzwaren. , 1357 Firma in. London sucht Vertretungen in Elektro- und Radioartikeln. 1358 Finna in New-York will Vertretungen in Textilien übernehmen., 1359 Firma in Hamhurg. braucht für Japan. Maschinen zur Erzeugung von Reis- und Zigarettenpapier. 1360 Firma,dn der Schweiz sucht Vertretungen in Herren- und' Damen-Pullovers. 1361 Firma in Cincinnätr (Ohio) will Zelluloidfüllfederhalter und deren Bestandteile kaufen. Die Adressen sind zu erfragen' im Sekretariat des Verbandes der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden, I., Elisabethstraße 9, I. Stock, Tür 10 (Kredit- und Handelskassa „Metropole"), täglich mit Ausnahme-von Samstag und Sonntag von 9 bis 11 Uhr vormittags. Chiffreangabe erforderlich. Handelsvertreterstelle: Der Verband stellt einwandfreie, gewerbeberechtigte, sprachen- und branchenkundige Vertreter kostenlos zur Verfügung. R e c h t s s c h u t z s e k t i o n: Die Sprechstunden, des Verbandsanwalts sind Montag und Freitag von 11 bis 12 Uhr vormittags. Auskünfte aller Art wie auch MitgMederaufnahmen im Verbandssekretariat während der oberwähnten Kanzleistunden. Mitgliedsbeitrag S 3 vierteljährlich. Jeden Donnerstag. 8 Uhr abends, findet eine Versammlung im Wiiener Bürgercafe\ II., Praterstraße 11, statt. Aktuelle Wirtschaftsvorträge und, Diskussion. ,l . : ."; Ein Aufruf des Verbandes. ■ .. Der.Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbe-, treibenden erläßt an*' die jüdischen Kaufleute und Industriellen einen Aufruf, dem wir die folgenden Stellen : entnehmen: ' „Unser Verband repräsentiert keine politische Partei, sondern ist eine überparteiliche, jüdische Wirtschaftsorganisation. Eine große « und mächtige Organisation aller jüdischen selbständig . Erwerbstätigen müssen wir werden, denn nur dann können wir vieles zürn Besteh unserer Mitglieder er- , reichen. Jüdische Ehre und Würde sind uns heilig und wir werden daher stets und gegen jedermann für das Äjisehen des jüdischen Handels- und Gewerbestandes .eintreten. Die . Wirtschaftslage der Juden ist besonders schwer, alle zusammen sind wir gerade genug, um uns durch Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung unsere Situation zu erleichtern. In der jüdischen Wirtschaftsgemeinschaft darf keiner fehlen. Mit dem Wachstum unserer Organisation wächst< auch die Stärke und Bedeutung des jüdischen Handels- und Gewerbestandes und wir könnten wahrlich zu großer Bedeutung gelängen. Gebet uns die Möglichkeit hiezu! Tretet unserem Verbände bei und werbet für unseren Verband!" i . Palestine Land Development Co. Wir werden von der Palestine Land Development. Co. Ltd. Lonclon-Jerusalem ersucht, den Waener Käufern mitzuteilen, daß die ständige Wiener Vertretung der Gesellschaft aufgelöst ist. Die Käufer der Palestine Land Development Co. Ltd., deren Angelegenheiten noch nicht endgültig abgewickelt sind, werden gebeten, sich an das europäische Büro, Berlin W. 15, Meinekestraße 10 (Zion. Zentralbüro) oder an, die Zentrale der Gesellschaft, Jerusalem, P, Ö. B. 456 zu wenden. — Es wird ferner gebten, Zahlungen an das Berliner Büro direkt oder .auf dessen Bankkonto bei der Bankfirma „Jarislowsky u. Co., Berlin W. 8, Jägerstraße, zu senden. ROYAL PORTABLE SCHREIBMASCHINE ffr Birnau, Rtlto u. Helm. Boqutmt Teilzahlungen General-Vertrieb: JOE LEST1 NFP., Wien, l.,Blber8tr.aa Der Hausarzt Redigiert vbn Dr. Sanel Beer. Der Kampf gegen den Rheumatismus. In Amerika ist es üblich, sogenannte Gesundheit s w o c h e n zur Aufklärung der breiten Volksmassen über bestimmte gefährliche Volkskrankheiten abzuhalten. ' In ähnlichem Sinne scheinen bei uns die Tagungen für Volksgesundheit eingeführt, die die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit diesmal auf die rheumatische Erkrankungen, ihre Gefahren und ihre Behandlung lenkte. Aus den ausführlichen Referaten, die über den Rheumatismus von hervorragenden Fachleuten gehalten wurden, konnte man über den: derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Fragen nur soviel entnehmen, daß der Rheumatismus eigentlich noch immer trotz aller Forschungen der letzten Jahrzehnte eine rätselhafte Erkrank u n g ist und noch immer die Rumpelkammer . für alle möglichen ungeklärten Leiden abgibt. Denn je mehr die diagnostischen Kenntnisse der Aerzte fortschreiten, desto enger wird das Gebiet der rheumatischen Affektionen. Denn wenn der Arzt mit einer Klage des Patienten' nichts anzufangen weiß, so sagt er einfach, daß es sich wohl um eine nervöse oder rheumatische Affektion 'handeln dürfte. Ein tüchtiger Arzt sollte aber derlei Diagnosen nur selten machen, die meist ein Bekennen des Nichtwissens, öder Nichtkönnens bedeuten, sondern nach Tunlichkeit den Ehtstehungsursachen auf den Grund kommen. Bei dem'Rheumatismus hat man die Gelenkserkran-, kung und die Muskelerkrankung voneinander zu halten. Bei Gelenksrheumatismus handelt es sich meist um eine Systemerkrankung, indem ein Gelenk nach dem anderen erkrankt. Daher kommt auch der Name, indem man früher nach der Säftetheorie glaubte, daß ein Fließen (griechisch Rheuma) von schlechten Säften durch den Körper vor sich geht. Die akute Form des Gelenksrheumas wird heute als infektiöse Krankheit angesehen, wenn, auch der eigentliche spezifische Bazillus noch nicht entdeckt erscheint. Meist wird als Erreger der von dem Wiener Professor Gustav Singer in den Gelenken von an akutem Rheumatismus. Verstorbenen gefundene stäbchenförmige Eiterbazillus, der Streptokokkus, anerkannt, weshalb von vielen Aerzten auch das entsprechende Antistreptokokkenserum als Heilmittel empfohlen wird. Der Beginn der Erkrankung mit hohem Fieber, die meistgefürchteten Komplikationen, die Entzündung der Herzklappen, die einen Herzfehler zur Folge haben, die Gefäßyeränderungen, die .jHautaffektioneii, machen das^ Krankheitsbild einer. S e p s i s, einer durch Eiterbazillen entstandenen Vergiftung, ähnlich. Der .Herzfehler und bei. chronischem Verlaufe, die verschiedenartigen Versteifungen der Gelenke bedingen eine., schwere Schädigung, der Arbeits- und Berufsfähigkeit der Befallenen. Die Krankenkassen werden stets durch ein großes Kontingent von Rheumatikern materiell schwer belastet. Denn der akute Rheumatismus gehört insbesondere zu den Berufskrankheiten der arbeitenden Frauen. Irgendwie hängt der .Gelenksrheumatismus mit dem Wochenbett oder der Waschküche zusammen. Abgesehen von der Infektiosität, die häufig von einer -vorangegangenen M a n d e 1 e n t z ü n d u n g ausgeht, spielt die Erkältung eine große Rolle; Was die Verbreitung betrifft, scheinen die Länder des gemäßigten Klimas bevorzugt. Niederschläge, Bodenbeschaffenheit scheinen von Bedeutung zu sein. Herbst und Frühjahr bringen bisweilen epidemisches Anschwellen der rheumatischen Erkrankungen. Zwischen den Geschlechtern macht die Krankheit keinen besonderen Unterschied;, wohl aber. bezüglich des Lebensalters, denn sie befällt den Menschen meist in der •Vollkraft seiner Jahre, also zwischen 15 und 30 Jahren, Kinder unter 6 Jahren und Greise sind meist verschont. Wichtig ist noch, daß das Ueberstehen der Krankheit die Disposition für weitere rheumatische Attacken steigert. Sicher ist, daß im Körper verborgene, oft unscheinbare Eiterherde die Krankheitsursache für den Gelenksrheumatismus abgeben. Als solche versteckte Herde wurden die zerklüfteten und schlecht zugänglichen Gaumenmandeln erkannt, ferner können ver enterte Zahnwurzeln chronischen Rheumatismus unterhalten. Zur Vorbeugung soll man also bei Leuten, die oft an Mandelentzündungen leiden, die Mandeln entfernen, ferner ist die genaue r ö u t g e n o 1 o. g i s c h e Kontrolle der Zähne bei Rheumatikern notwendig. Es wurde oben darauf hingewiesen, daß der Rheumatismus vielfach mit inneren Krankheiten, insbesondere des Herzens zusammenhängt, es ist " auch bekannt, daß gewisse Haut leiden und der Veitstanz der Kinder irgendwie durch ein rheumatisches, infektiöses Gift verursacht sind. Da die rheumatischen Affektionen die Arbeitsfähigkeit 4er Befallenen stark beeinträchtigen, auf diese Weise gewissermaßen viel Volkskraft verloren geht, ist die V o rbeugung und Heilung dieser Volkskrankheit notwendig. Am besten ist die rechtzeitige Erkennung und Behandlung der akuten Form. Wir besitzen in den fast sicher wirkenden S a 1 i z y I p r ä p a r a t e n ein hervorragend spezifisch wirkendes Heil mittel,.das, mit Sachkenntnis angewendet, auch die Komplikationen vermeiden kann. Für die die Berufsfälligkeit beeinträchtigenden chronischen Formen,. die Schwellungen und Versteifungen, gibt es eine unendliche Schar von Heilmitteln. Bäder, Massage, Elektrizität, Diathermie, Röntgen und neuerdings sogar die Hautimpfung, die ein Wiener Arzt entdeckt hat, eignen sich für die Bekämpfung der rheumatischen Affektiohen, aber am schwierigsten bleibt die Auswahl der Heilmittel, die nur der erfahrene Arzt treffen kann. Daher ist das wahllose Aufsuchen der Heilbäder durch die Kranken allein abzuraten. Erst eine genaue Untersuchung und Beobachtung der Krankheit wird die richtigen Heilmittel finden lassen. Humoristische Ecke Copyright by Präger-Pressedienst (Dr. Max Präger) Wien. Der Nachruf. In manchen Gegenden ist es bei den Juden Sitte, daß ein Toter erst dann bestattet werden darf, bis jemand über ihn ein gutes Wort gesagt, ihm gute Nachrede gehalten hat. In einer Stadt war nun ein Jude gestoben, der sein Lebenlang ein Bösewicht und gottloser Mensch gewesen war. Es fand sich niemand, der ein gutes Wort über ihn gesagt hätte. So lag die Leiche schon drei Tage und war noch immer nicht bestattet. Gut Rat war teuer; der Tote konnte doch nicht liegen bleiben. In der Schul' wurde der Fall lebhaft besprochen. Da meldet sich ein Jude: „Leute, ich habe ein gute Nachrede für den .Mann." — „Was?" — „Er hat Kinder zurückgelassen, die sind noch ärger als er." —Der tote wurde begraben. :*• Wohnrecht1) und andere jüdische Zores in Rußland. Zwei Juden gehen einmal in. Petersburg auf der Straße; der eine hatte einen Paß, der andere aber keinen. Wie sie so gehen und plaudern, bemerken sie von weitem einen Polizisten. Da sagt der Jude ohne Paß zu dem, der einen Paß hat: „Jankel, fang an zu laufen und ich gehe langsam weiter. : Wenn, der Polizist sieht, daß du läufst, wird er dir nachlaufen; du aber. brauchst keine Angst haben, denn du hast ja einen Paß!" Gesagt, getan. Jankel, der einen. Paß, .hat, beginnt aus Leibeskräften .zu rennen. Wde: der Polizist einen Juden laufen sieht, beginnt, er ihm nachzulaufen. Er läuft eine gute Strecke, bis'er endlich.den Juden er eicht; wütend faßt er-ihn am Ann. und hält ihn an: „Hast du einen Paß?" „Ob ich einen Paß habe? Natürlich habe ich einen Paß antworett der Jude, zieht den Paß . aus der Tasche und zeigt ihn dem Polizisten., Der' Polizist sieht den Juden 'miB'tr'äUiscri-'a^: „Wenn du also einen Paß hast; warum hast du Äugst vor mir gehabt? Du -mußt doch etwas angestellt haben!" „Ich habe vor dir keine Angst gehabt." „Wenn du keine Angst, gehabt hast, warum bist du dann davon gelaufen?" „Ach so, das meinst du? Der Doktor hat. mir verordnet Bitterwasser zu trinken und darnach eine halbe Stunde zu laufen." Drauf der Polizist: ,;Du hast doch gesehen, daß ich dir nachlaufe, da hättest du doch stehenbleiben sollen!" „Ich habe geglaubt, daß der Doktor dir auch Bitterwasser verordnet hat" •* Vom Fasten. Ein Jude wurde gesehen, wie er am Jörn Kippur*) ein Huhn aß. Das wurde dem Row hinter-« bracht und als er am nächsten Tag den Juden traf, sprach er ihn an: „Von wem immer hätte ich . so etwas zu hören erwartet, aber von dir, Jidel, nicht. Am Jörn Kippur essen? Wie ißt ein Jude am Jörn Kippur Huhn?" — „Das wissen Sie nicht, Rabbi?. Einen Bissen Brot und einen Bissen Huhn!" — „Spaß beiseite!" unterbricht der Row. „Wie konntest du an einem solchen Tag, am Tag des Gerichtes, essen?" Drauf Reb Jidel: „Die Sache ist so. Rabbi. Am Jörn Kippur essen ist gewiß ein großes Unrecht, aber wenn ich damit einem jüdischen Mädchen helfe, so ist es doch, glaube ich, wichtiger als zu fasten." „Einem jüdischen Mädchen helfen ist sicher eine fromme Tat, aber wie kommt eines zum anderen? Was für eine Beziehung besteht zwischen dem Essen am Jörn Kippur und der Hilfe für ein jüdisches Mädchen?" „Das ist so, Rabbi. Ich will es Ihnen Erzählen. Wie ich so auf 'der Gasse gehe, höre ich hinter 'mir zwei Mädchen sprechen; die eine sagt: .Heute ist ein furchtbarer. Tag, alle Juden müssen fasten.' Da sagt die andere: ,G eh, Närrin! Soviel Tausendermöcht' ich zur Mitgift haben, wieviel Juden heute essen werden!' Nun sagen Sie selber. Rabbi: Ein armes jüdisches Mädchen — was schadet es mir, wenn sie um einen Tausender mehr Mitgift haben wird?" *) Außerhalb des Ansiedhingsrayons hatten die Juden in Rußland kein Wohnrecht und ein kurzer Aufenthalt waT ihnen nur mit einem ordnungsgemäß vidierten Paß gestattet, den au. erhalten sehr, schwer war, *) Versöhnuiigstag. ein strenger Fasttag,

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