Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 4 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Groscher ■b mmm WMWH mmmm bmAhi ■ wm DIE NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Z{ory 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljahrig Kc. 15 -; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteHährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich U\ 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder mo-atlich Schweber Francs 1.50, vierteljahrig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, lK.t Universitätsstraße 6—8. Telephon: 25-2-82. — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 7 Freitag, den 74. Oktober 7927 Nr. 4 Aus dem Inhalte: -y i Das internationale Judeiiniord-Prograniin. Die rote Assimilation und der Zionismus. Vor dem Schwarzbarth-Prozeß. Artur Kostler: Die Wirtschaftskrise in Palästina. England und das Palästina-Mandat. Die Leiden der russischen Zionisten. S. J u s c h k e w i t s c h: Pogromgespenster. Ein großes juderibrenneii im Jahre 1680. Legenden aus der jüdischen Geschichte. Dr. Otto Abel es: Wiener Theaterbrief. Mitteilungen des Verbandes jüdischer Kaufleute. Dr. Sanel Beer: Die Beschneidung bei den Juden. jüdische Sport- und Turnbewegung. Austritte aus dem Judentum. Jüdischer Humor. Schaloin Asch: Die Zauberin von Kastilien. ■T?||t^SL^ö^ .../rt;-;'j;D^^jaüfJude als Pogromhetzer. Die Affäre des pi;eußisclisH Örj^riähdes^eHciitsräles "Ceih'n hat eine pikante. ''^^^ü^^ÄQjjup^hf Dieser gute Richter hatte;iiüf ^entliehen Lpkälien Brandreden gegen die Juden . gehalten;und^seine-.lieben; Mitbürger auf gef order,' das . jüdische" Gezücht, das doch an allem Ifebel. schuld' ist, auszurotten. Da er.hiebei zufällig mit dem Redakteur einer großen Berliner Zeitung ih:'KonMk't geriet, mußte er in Untersuchung gezögen werden. Ein in Deutschland sehr ungewöhnlicher Falk Denn wenn alle reichsdeutschen Richter, die auf Juden schimpfen, eingezogen würden, gäbe es in-Deutschland ewige Gerichtsferien und Hochkonjunktur, im Gefängnisibau. Herr Gellin wurde also von seiner vorgesetzten Behörde streng befragt, und da ergab sich, daß er g e t a u f t e r J u d e ist. Großes Erstaunen im deutschen Blätterwalde, und doch ist das Faktum gar nicht erstaunlich. Abtrünnige Juden waren, immer die Drahtzieher gefährlicher Judenhetzen. Vor wenigen Tagen erst wurde der Tod des Artur Trebitsch gemeldet, getaufter Jude, wissenschaftlicher Bearbeiter der Protokolle der „Weisen von Zion". Wie die Früchte aussehen, welche - aus der taufjüdischen Saat sprießen, hat auch die Hindenburg-Amnestie in Ersprießen, hat auch die Hindenburg-Amnestie in Erinnerung gebracht. Unter den Begnadigten befindet sich, der Mörder Kurt Eisners, der Graf Arco. Der hoffnungsvolle junge Mann ist der Leiter des antisemitischesten bayrischen Hetzblattes. Wer Ba;yeriv.^e"nt, wejß, was das heißt. Er ist der Sohn einer.-getauften Jüdin. Es ließen sich noch unzählige Beispiele anführen,-als Beleg dafür, daß aus der Taufseuche dem Judentum die größten Gefahren :er;wäcljsen. Aber die jüdische Gesellschaft hat für •diese-Gefahr nicht das geringste Verständnis. Sonst müßte sie den Täuflingen gegenüber eine ganz andere .Stellung einnehmen als die heute gebräuchliche. Täuflinge können unbelästigt und ungestraft ihre gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen Zivi Juden : aufrechterhalten. Wenn, sich ehr .'Jude taufen läßt, wird er schlimmstenfalls von seilen jüdischen Verwandten, Freunden und Bekannten, ein wenig bewitzelt, sonst bleibt alles beim alten. Nichts in dem Verhalten der jüdischen Gesellschaft bringt dem Renegaten zürn Bewußtsein, daß er ein. Verräter und Feind geworden ist, nichts schreckt, andere , ab, um irgend eines Vorteiles willen dem Beispiel des Täuflings zu folgen. Die Hoffnung au! den englisch-französischen Krieg war zur Zeit des Kaisers Wilhelm eine tragende Säule'der deutschen Außenpolitik. Die englische Regierung veröffentlicht jetzt eine Dokumentensammlung, und obzwar solche Publikationen immer sehr vorsichtig zusammengestellt werden, geht doch aus dieser mit voller Klarheit hervor, daß die englische Politik sich in ihrem ureigensten Interesse auf. die Wahrung des Friedens eingerichtet hatte. Die Notwendigkeit, den großen überseeischen Besitz eng an das Mutterland anzuschließen und mit ihm zu verschmelzen, forderte gebieterisch das Unterlassen von Konflikten. Immer wieder erscheinen die Instruktionen der verantwortlichen Minister von Salisbury bis Balfour, die auf die Sicherung, des Reiches unter Vermeidung aller auf Kriegsgefahr abgestellten Handlungen hinauslaufen. Aber der deutsche Kaiser war von dem Traumbild des englisch-französischen Krieges bis zur Zwangsvorstellung beherrscht. In einem solchen Zusammenstoß würde, wie er meinte, Deutsch land als der Vermittler auftreten und sich seinen Platz an der Sonne erobern. Die Dokumente Englands zeigen, wie die Londoner Regierung mit Deutschland zu einer freundschaftlichen Verständigung zu kommen bemüht war. Der Berliner Militarismus sabotierte alle Anstrengungen teils aus Mo< tiveii der Machtgeltung, teils aber auch aus der ganz merkwürdigen Vorstellung^ -daß England, als von Juden b e h e r r s c$$; nach dem unbedingten Imperium strebte. So wurde in Deutschland die psychologische Stimmung geschaffen, die dann nach dem Sarajevoer Mord den Zeitpunkt für günstig hfel t; Aber auch, ii'd-u te iiödr -istder deutsche. Nationalismus 'voll der Hoffnung auf den englisch-französischen Krieg-; und es ist daraus .wje'der ein System geworden. Komisch wirkt nur, daß in der "Vor* Stellung von der jüdischen Gefahr England seihe Rolle mit Frankreich teilen muß. Diese Psychose macht, ^abgesehen von allen anderen Wirkungen, die Politik' Deutschlands unfrei und in weiterer Folge zweideutig. Die Vergasung der Welt. In Warschau haben Flug2eugmanöver stattgefunden, die selbstverständlich eine große Zuschauermenge anlockten. Die Ueburigen schlössen mit einem bravourös durchgeführten Träneilgasangriff auf das Publikum, das weinend und schimpfend vom Platze floh. Nachher wurde erklärt, man habe der Bevölkerung demonstrieren wollen, wie notwendig der Besitz von Schutzmasken sei. Also jeder Mann sein eigener Krieg. Die Volkserziehung, in der es heute offiziell vom Pazifismus nur so trieft, wählt sich sonderbare Mittel. Die Balfour-Deklaration für die Tschechen. Der. tschechische Außenminister Dr. Benesch-hat jetzt im Prager Orbis-Verlag seine Kriegserinnerungen herausgegeben. Er erzählt unter anderem die Geschichte, wie die auswärtige tschechische Vertretung die solenne Anerkennung ihrer Forderungen erzielte. Im Mai 1918, als eben ein neuformiertes tschechisches Regiment von Paris aus an die Verduner Front abgehen sollte, hatte die französische Regierung vorgeschlagen, diesen Kombattanten eine Fahne, zu verleihen. Benesch richtete nun an die französische Regierung eine Eingabe, in der er erklärte, daß vor der Fahnenverleihung eine offizielle politische Deklaration der Entente erfolgen müsse. Er formulierte ihren Inhalt dahin, daß sie die Anerkennung der historischen Rechte der Tschechen auf den Staat und die Anerkennung des (von Benesch und Masaryk geleiteten) Nationalstes aussprechen müsse. Diese Forderung wurde nach langen Verhandlungen, die bis in den Juni dauerten, angenommen, und B a 1f o u r richtete an Benesch die Deklaration, die dann An die Leser in Wien und den österreichischen Bundesländern! Wir bitten, die zugesandten Bestellkarten und Erlagscheine ausgefüllt an uns einzusenden, damit die weitere Zustellung nicht unterbrochen wird. Die Verwaltung. die politische Grundlage des neu entstehenden Staates wurde. Die rote Inquisition. Sowjctrußland ist wieder einmal aus schwerer Not gerettet. Eine fürchterliche Verschwörung ist rechtzeitig aufgedeckt worden. Als Anstifter der gräßlichen Sache ist ein gewisser David Rein aus dem Städtischen Lanzkarun im Kamenitzcr Kreise stcllig gemacht worden. Dieser ruchlose Mensch, seines Zeichens jüdischer K i n d e r 1 e h r e r, hat ein Dutzend jüdischer Sowjetbürger im Alter von 5 bis 10 Jahren an sich gelockt, und ihnen ein Chcder eingerichtet, das heißt, er hat in ihre jungen Seelen das Gift der hebräisch e n Sprache und der Bibel eingespritzt. Die Jewsectia, das ist , die jüdische Abteilung der Sowjets, hat aber den ruchlosen Verräter gefaßt. Er wurde vor Gericht gestellt und zu neun Mona teu Zwangsarbeit und dreijähriger Verschickung verdonnert. In unbegreiflicher Milde haben die allzu gütigen Richter davon abgesehen, den Lumpen glatt erschießen zu lassen. — Rußland bleibt Rußland. Von den Methoden des Zarismus kommt Moskau nicht los. Erschießen, Hängen, Sibirien, Knebelung der Worte und Gedanken, Herrschaft übermütiger und feiger Schergen. Alles, ist geblieben. Was kann da kommen? Das internationale Juden* mord-Programm* tr-y, Wien, 14. Oktober. Aus einem ryommissionsbericht des bayrischen Landtages geraten jetzt interessante Enthüllungen über die Geldquellen de r H itl er ei ans Tageslicht. Es war die Vorgeschichte der verschiedenen Aufmärsche und des Novemberputsches der Nationalsozialisten zu untersuchen, und hiebei ergab sich naturgemäß die Frage nach den. Spendern der in ansehnlicher Höhe eingehenden Beträge. Dem Münchner Tapezierer und Trommler unterstand eine ziffernmäßig nicht zu unterschätzende Heeresmacht die auch militärisch ernst zu nehmen war, da sie aus den Reihen der verabschiedeten aktiven Offiziere ihre Führer bezog, die in der Wissenschaft des Massenmordes recht gut ausgebildet waren. Dieses bunte Kontingent aus Reisläufern, patriotisch aufgepeitschten Studenten, Arbeitslosen und Landsknechten war in erster Reihe zum Pogrom bestimmt, und wie es im Koburgischen bei dem berühmten Aufmarsch gegen die Juden zugegangen ist, das ist aus mannigfachen Gerichtsakten bekannt. Immerhin konnte man nicht alles aus den Juden herauspressen. Krieg kostet Geld und Hitler wußte die Sehnsuchten und Hoffnungen der Schwerindustrie recht gut in klingende Münze .umzusetzen. Was ihm nicht gelang, das besorgte Ludendorff. Aus der Schweiz kamen Fränkli, aus Amerika sandte Henry Ford gute Dollars. Reichsmark und tschechische Kronen flössen in Menge ein, und „die Beziehungen zu französischem Geld konnten nicht erwiesen. werden", obzwar sie im F.uchs-Machaus-Prozeß erwiesen wurden, und obzwar am Tage vor dem Ausbruch der glorreichen Brauhaus-Revolution in München alle französischen Garnisonen im Rhein- und Ruhrland marschbereit an die pfälzische Grenze vorgeschoben worden waren. Aus dem Hitler-Putsch sollte ein Marsch nach Berlin werden und da hätten dann die Senegalneger von den Schwarzweißroten den Vorwand zur1 Intervention. erhalten. Hauptsache blieb aber der , Pogrom und im Zusammenhang mit dieser Devise gab es zur gleichen Zeit Exzesse in U n g a r n un.d in Rumänien, Numerus-clausus-Krawalle in W i e n, in Graz und in P o 1 e n. Es war unverkennbar, um was es zunächst ging und was den Organisatoren als erstes Ziel vorschwebte: Die Au st 11gung 'jüdischen Lebens. Das war der Auftrag des antisemitischen Zentrums, das zweifellos existiert und sich mir zu seiner Verschleierung das Märchen von der geheimen jüdischen Zentrale erfunden hat. Die blutigen Pläne sind damals nicht ausgereift. Sie wurden zurückgestellt und der Haß geht andere,