Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 6 (15.3.1919)
- Date
- 1919-03-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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hast Du es wieder. Aber behalte solche Sachen für Dich und gib sie nicht weiter usw." Ein Schuldirektor, der sich nach der Weltliteratur und Löns erst erkundigen muß, um zu erfahren, daß „da ganz nette Sachen drin istehen". Der Mann gehört abgesägt. Weil .er selbst nichts von diesen „Sachen" versteht, gibt er D.ir den Rat — verstehe Befehl — sie für Dich zu behalten, und nicht weiter zu geben. Seine Schüler könnten ihm sonst über den Kopf wachsen und die Autorität {?■)■ die er genießt, wäre futsch. Sind solche Fälle nach der Revolution überhaupt noch möglich? Heil Dir! Dein Richard Der Untertan (Unter dieser Überschrift werden wir auch fernerhin urkundliche Beiträge zur Naturgeschichte der bürgerlichen Jugend bringen. Sie sollen verständlich machen, wie jener Bürgertyp entsteht, den Heinrich Mann in seinem Roman („Der Untertan") schildert. — Um weitere Beiträge wird gebeten) (Brief eines Oberprimaners aus. einem westlichen Berliner Vorort, veröffentlich in der Berliner „Post" vom 16. II. 19.) „Selbstverständlich rief der berüchtigte Erlaß Hoffmanns große Aufregung hervor. Besonders in den Köpfen, der Jungen in den mittleren Klassen spuckten sogleich sehr revolutionäre Gedanken und allerlei teils unmögliche, teils komische Forderungen wurden aufgestellt, vor allem wählten einige Klassen sofort „Schülerräte". Doch dieses Bild änderte sich sehr bald, erfreulicherweise. Die oberen Klassen betrachteten von vornherein den Erlaß mit allergrößtem Mißtrauen. Wir sahen "sehr bald die Gefahren, die einem gesunden Schulleben durch diese Einrichtungen drohen, ein und wurden von 'den Herrn Lehrern auf alle Bedenken hingewiesen. Bald war man fast einmütig der Ansicht, daß das „Danaergeschenk der revolutionären Regierung" abgelehnt werden müsse. Als nun gar der Wortlaut unter die. Schüler kam, waren wir tief empört über die unwahren Worte des Erlasses, der von einem „veralteten und 'toten System der Unfreiheit", dem „Ungeist «der toten Unterordnung, des Mißtrauens und der Lüge" sprach. Diese lügenhaften Phrasen griffen an unsere Ehre, und wir jalle fühlten wie nie unsere Pflicht, treu zu der Schule zu stehen, der wir so unendlich viel verdankten.. Wir waren eins ttiit ihr. Wohl haben wir alle oft und tüchtig über „die olle Schule" und manchen Zwang geschimpft — das leugnen wir nicht — aber unfrei und geknechtet waren wir nie und haben uns auf der Schule trotzdem wohlgefühlt. In der Prima wurde ein scharfer Protest gegen die Phrasen des Erlasses und zugleich die Aufhebung der Andachten und des Schulgebetes verfaßt, von sämtlichen Primanern unterschrieben und dem Direktor eingereicht, der ihn an das Minist e r i um w e i t e r g a b. Wir erhobendann flammenden Protest gegen alle Neuerungen |und betonten besonders, daß. dieser aus einem freien und 102