Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 6 (15.3.1919)
- Date
- 1919-03-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER NEUE ANFANG ZEITSCHRIFT DER JUGEND MÜNCHEN 1. Jahr 15. März 1919 Heft 6 WIEN An die Schüler der höheren Schulen An euch, die Jugend der gebildeten Stände, wende ich mich, nicht, um euch für mich und meine Ideen oder für die Sache der Revolution zu gewinnen, sondern um euch, für die zu kämpfen und zu arbeiten mir Lebensaufgabe war, zu warnen und auf den Ernst eurer Lage aufmerksam zu machen. Ich weiß, daß die Mehrzahl von euch der politischen Umwälzung des letzten Vierteljahres ebenso ablehnend gegenübersteht, wie es die Mehrzahl eurer Lehrer tut. Noch nie hat eine Revolution eine solche Freiheit der politischen Meinungsäußerung gewährt, wie es die deutsche vom ersten Tage an getan hat. Diese Freiheit ist von euch und euern Lehrern vielfach dazu benützt worden, um dreist, gehässig und höhnisch über die Revolution und ihre führenden Männer abzuurteilen, in herausfordernder Weise Festtage der abgesetzten Dynastie zu begehen und geradezu etwas wie eine stillschweigende Verschwörung zum Widerstand gegen die neue Ordnung der Dinge zu bilden. Und als jetzt der Mann, den das Volk — mag der einzelne über seine weitere Politik denken, wie er will — als den Befreier Bayerns anerkennt, von Mörderhand fiel, da ist die Kunde davon in euern Kreisen und in vielen eurer Schulen geradezu mit Jubel aufgenommen worden. Dies gibt mir Veranlassung, mich unmittelbar an euch zu wenden und euch das zü sagen, was andere, die an erster Stelle dazu berufen wären, euch scheinbar zu sagen versäumen. Ihr Schüler der höheren Schulen macht noch nicht den zwanzigsten Teil der Jugend des gesamten Volkes aus. Und ihr unternehmt es, durch eure Haltung die tiefe Kluft, die das Volk fast wie in zwei Nationen teilt/ die Kluft zwischen sogenannten Gebildeten und sogenannten Ungebildeten, zwischen Armen und Reichen, zwischen bisher Herrschenden und bisher Unterdrückten noch tiefer aufzureißen, ihren notwendigen Kampf zu vergiften, ihren Gegensatz unversöhnlich zu machen. Mögt ihr, die ihr die Liebe zu Volk und Vaterland so gern im Munde führt, dies, euer Tun, mit eurem eigenen Gewissen ausmachen. Aber wenigstens überlegt euch, wer den Schaden davon hat. Es sind nach den Feststellungen der Wissenschaft mehr als zwei Drittel des Volkes, die ein proletarisches Dasein führen. Diese zwei Drittel sind jetzt zum Befwußtsein ihrer Lage, ihrer Machit 89