Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 3 (1.2.1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Eltern gefunden hatte, berief der Gymnasialdirektor auf Betreiben einiger Amtsgenossen auf amtlichen Weg und in ein amtliches Lokal 'eine, wie man hinterher behauptete, nicht amtliche Besprechung aller „festangestellten" Lehrer ein, an der aber tatsächlich sämtliche, auch die nicht angestellten Lehrkräfte teilnahmen — mit Ausnahme desjenigen, über den man dort zu Gericht saß (denn nichts anderes war der Zweck dieser Sitzung), sodaß also der Angegriffene nicht die geringste Möglichkeit hatte, durch seinen Einspruch gegenüber den falschen Behauptungen und den geradezu unsinnigen Gerüchten, die über seine praktische agitatorische Tätigkeit in Umlauf waren, der Stimme der Vernunft zum Durbruch zu verhelfen. Dies war die erste Schandtat, die zweite folgte bald.4Man gabinämlich (an einem gleichfalls aus Veranlassung der Jugenausspracheabende mit erstaunlicher Dringlichkeit einberufenen Elternabend den erstaunten Eltern, die sich kurz vorher großenteils anerkennend ausgesprochen hatten in aller Form einer amtlichen Äußerung, die auf Objektivität Anspruch macht, eben jenes „Mißtrauensvotum" bekannt, das man am Tag zuvor — heimlich! — gegen den Gründer der Ausspracheabende ausgeheckt hatte. Man überfiel die überraschten Eltern mit der Feststellung, daß man von Seiten des Kollegiums die Tatsache der „Jugendausspracheabende" zwar mit Sympathien begrüße, jedoch che Person seines Gründers zur weiteren Leitung dieser Abende für ungeeignet halte. Eine Begründung dieses Votums, in dem das äußerst mutige Kollegium sich als Ganzes geschlossen zusammenfand (in jeder öffentlichen Aussprache ging man clem Beschuldigten ständig ebenso mutig aus dem Weg) wurde nicht gegeben. Eine andere Meinung als die „Kollegen" schien die Jugend von diesem Lehrer und ihrem Freund zu haben.. Denn, sie erklärte, daß sie jede Art. „Ausspracheabende" ohne dessen Mitwirkung ablehne. . .. . Nun bleiben uns nur noch zwei Dinge zu berichten, nämlich daß jener Lehrer bald darauf seine Amtseritlassung erhielt und daß dies für das innere Schulleben nicht ohne Folgen blieb. Solange sich nämlich seine beratende Stimme geltend gemacht hatte, hatte sich die Schule mit unbedingter Majorität "für die Annahme der „Schulgemeinde" erklärt. Aber schon am nächsten Tag nach seinem Auscheiden focht man die Abstimmung an und die eingeschüchterte Jugend ließ sich zur Annahme eines von Lehrerseite kommenden Gegenvorsehlag'es bestimmen, den man am besten als „Revolutionsersatz" kennzeichnet. — So geschehen im „Freistaat" Preußen. Dresden. Folgenden Aufruf zur Gründung eines Sprechsaals richtet sich an die Jugend Dresdens: Mitschüler! Mitschülerinnen! Jugend! Kameraden! Die neue Freiheit hält überall ihren Einzug und wird auch unter der Jugend, sogar in den Schulen immer mächtiger. Aus ganz Deutschland 48