Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 3 (1.2.1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sich gegen Einrichtungen, die ihre Schwächen offenbar machen werden. Die Lebendigkeit der Jugend, einmal erwacht, wird ihre papierene Leblosigkeit bloßstellen; der jugendliche Wille zum Geist, einmal erweckt, wird ihren Ungeist nicht dulden. Wie können sie der Jugend vertrauen, wie etwas wagen, wie an ihr Verantwortlichkeitsgefühl glauben — sie, die doch täglich und stündlich Vertrauen, Mut, Verantwortung in ihr ertöten? Mit ihrem Widerstand mußte von vorneherein gerechnet werden; auch war vorauszusehen, daß die Kirche sich ihren von der Staatsgewalt brutal unterstützten Einfluß auf die Schule nicht kampflos würde entreißen lassen. Es war ferner klar, daß diese beiden in ihrem bisherigen Bestand bedrohten Mächte, daß Oberlehrer und Pfaffen noch genug Kampfgenossen anwerben würden. Man würde versuchen Geheimräte wie Elternschaft mobil zu machen. Ja, man mußte sich klar machen, daß viele von den zur Freiheit Berufenen nur zögernd folgen würden und unschwer dahin zu bringen wären, mit den am Alten Klebenden gemeinsame Sache zu machen. Wieviele Seelen haben unter einem veralteten und toten System der Unfreiheit hungern müssen, sind erkrankt und verkrüppelt! Bald wurden sie inne, daß Selbstverantwortung nicht nur im Abwerfen von Fesseln besteht, daß sie innerlichen Halt, Kühnheit, Klarheit erfordert — und allen jugendlichen Stolzes unfähig, seelisch verkümmert, matt und alt, sträubten sie sich gegen die ihnen gewährte Freiheit, kehrten sie gern zum bequemen gedankenlosen alten Schlendrian zurück. Nur nicht die Behaglichkeit eines „gemütlichen" Beisammenseins stören, nur es nicht mit dem Lehrer verderben (der doch Zensur und Ver* setzüng in Händen hat) — mögen Schönheit und Geist auch zum Teufel gehen. Während die Mutigen und Zielbewußten sofort die Gelegenheit benützten, während Schulgemeinden, Schülerräte und Sprechsäle erstanden, erlebten wir das erhebende Schauspiel, daß ganze Klassen sich gegen die Einrichtungen aussprachen und das „bestehende Vertrauensverhältnis" nicht durch „bolschewistische Umtriebe" vergiftet sehen wollten. Auf all dies waren wir vorbereitet und wir fürchteten nicht für unsere Kameraden, die nun Ernst machten mit dem Vertrauen, das die Revolution in sie setzte. Wir wußten als Beirat 39