Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 2 (15.1.1919)
- Date
- 1919-01-15
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Die Schulgemeinde wühlt aus der SchÄerschgst einen Schülerrat, der ständig die Interessen der Schülerschaft zu vertreten und im Einvernehmen mit Schultettuug und Lehrerschaft für Ordnung zu sorgen hat. Der Schülerrat gibt sich selbst seine Arbeitsordnung und legt sie der Schulgemeinde zu Genehmigung vor. 3. Die Schulgemeinde hat nach mindestens vierteljährigem Bestehen das Recht, in Form einer Entschließung sich über diese neuen Einrichtungen der Schulverfassung auszusprechen, Vorschläge zu ihrem weiteren Ausbau zu mache« sowie an die Regierung (das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung) die Bitte zu richten, ihr zu einer freien Aussprache über die neuen Ausgaben der Jugend im neuen Staats- und Volksleben einen Vettrauensmann der Regierung zu senden. Solche Entschließungen sind auf dem üblichen Wege unverzüglich an das Ministerium einzureichen. v . Don jetzt ab wird den Schülern völlige Freiheit zur Bildung unpolitischer Vereine tz. B. Wanderoogelgruppen, Sportvereine. Sprechsäle, Vereine zur Pflege geistiger Interessen oder künstlerischer Betättgung usw.) im Rahmen des geltenden Rechts gewährt. Auch dürfen die Schülerschaften verschiedener Schulen mit einander in Verbindung treten. Durch die Schuldisziplin findet keinerlei Beeinträchtigung staatsbürgerlicher Rechte statt. Wir machen es jedoch der Schülerschaft zur Pflicht, daß sie dem Ernst dieser Zeit entsprechend für immer absage der Nachäffung eines veralteten studenttschen Verbindungswesens und der Durchseuchung ihrer Geselligkeit mit dem Alkoholismus, über den wir uns eine besondere Aufklärung Vorbehalten. Wir erwarten von der Jugend, daß die neue Freiheit nie zur Entfesselung niederer Triebe mißbraucht wird, insonderheit würde es einer edlen Jugend unwürdig sein, sie zu irgend einer Ungehörigkeit oder gar zur Rache für früher erlittenes Unrecht zu benutzen. Nie werden wir dazu die Hand bieten. Euer Blick fei nach vorwärts gerichtet. Wir erwarten von einer Jugend, die die furchtbarsten Zeiten unseres Volkes mit Bewußtsein mtterlebt hat. die Tausende ihrer Kameraden als Opfer hat fallen sehen und die jetzt Teil hat an dem großen Aufatmen des Volkes, daß sie den weltgeschichtlichen Ernst dieser Stunde und die große Verantwortung, die -uf ihr ruht, begreife. Wir verlangen von Euch noch keine Stellungnahme zu der politischen Umwälzung und Neuordnung. Und wo man versuchen sollte. Euch zu einer Entscheidung gegen die neue Freiheit zu verleiten, da vertrauen wir auf die Macht der Wahrheit und sind gewiß, daß der gesunde und unoerbogene Sinn der reiferen Jugend bald selbst die richtige Stellung zu den Ereignissen, finden wird. Wir wollen keine polittsierende Jugend; wir wollen ein freies, freudiges und unbefangenes Leben der Jugend; aber kindischer Unfug und leere Gedankenlosigkeit dürfen darin keine Stätte mehr haben. Wir hoffen, daß die neuen Möglichkeiten zur Mitwirkung an der Gestaltung Eures Schul- und Gemeinschaftslebens Euch mit einem neuen Gefühl der Mitverantwortung für die Zukunft unseres Volkes und mit einem freudigen Eifer zur inneren Erneuerung von Schule und Zugend erfüllen werden. Möge ein neues Verhältnis von Kameradschaft zwischen Euch und Eueren Lehrern entstehen, möge die Luft der Schule gereinigt werden von dem Ungeist der toten Unterordnung, des Mißtrauens und der Lüge. Alle Kräfte unseres Volkes müssen angespannt werden, um ihm aus furchtbarem Zusammenbruch ein neues, schöneres Leben zu erringen. Unermüdliche Arbeit und strengste Pflichterfüllung ist das Gebot der Zeit auch im Lebens- und Wirkungskreis der Zugend. Wir aber versprechen, daß wir die Arbeit der Zugend nicht nur von einem den Körper schädigenden Übermaß, sondern auch von allen sinnlosen und verrotteten Resten einer überlebten Zeit befreien und nach den Forderungen der neuen Zeit und der ewigen Werte der Menschhett umgestalten wollen. Wir hoffen, der Zugend bald die innere Gewißheit geben zu können, durch ihre Bewährung in Arbeit und Freiheit an ihrem Teile mitzuschaffen am Wiederaufbau unserer Volksgemeinschaft und an der Wiedergeburt unserer Kultur. Möge die Äugend durch Ernst und Treue ein Vertrauen rechtfertigen, wie es ihr bisher in der Geschichte noch nie entgegengebracht worden ist. Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Konrad Harnisch.