Mannheim
Compact Memory

Der neue Anfang · 1919-01-15 · Heft 2 (15.1.1919) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der neue Anfang
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 2 (15.1.1919)
Date
1919-01-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2710055-2710056-2710058--029-2710081
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erster Grundsatz für den Verkehr des Erwachsenen mit einem Kinde: Du darfst das Kind keinen Altersunterschied spüren lassfen. Betrage Dich als Kind, wenn Du mit dem Kinde spielst, behandle das Kind als Erwachsenen, wenn Du mit dem Kind sprichst Wenn Du dem Kind zu fühlen gibst, daß Du erwachsen und klug, es Kind und dumm ist, und daß es von Dir nur Gnade ist, wenn Du Dich mit ihm einläßt, dann ist von vornherein nicht nur jede erzieherische Tätigkeit ausgeschlossen, sondern gleichzeitig ein großer Aerger und ein tiefes Unglück in des Kindes Seele hineingeworfen. Herablassung kann jedes Küid bis zur wütendsten Raserei treiben; denn es fühlt sofort die darin liegende Geringschätzung heraus, T Ich übertreibe, wirft man mir vor. — Ich bringe den jeden Zweifel tilgenden Beweis: kein Kind kann es erwarten, bis es „groß" ist. Dieser Wunsch stammt nur daher, daß; man das Kind stets gering geschätzt hak und daß das Kind diese Zurücksetzung schmerzlichst empfand. Endlich gleichberechtigt zu sein, endlich als Mensch behandelt zu werden, ist seine Sehnsucht. Eine edel erzogene Jugend, die man ernst nimmt und die sich selbst ernst nehmen kann, wird diesen Wunsch nicht kennen. Erster Grundsatz, wenn beim Zusammensein Erwachsener Kinder zugegen sind: mian lasse die Kinder völlig unbeachtet. Wohl dürfen die Erwachsenen sich mit den Kindern unterhalten, oder die Kinder in die Unterhaltung hineinziehen (wobei dann der vorherige Grundsatz zu beobachten ist, d. h. ,die Kinder völlig als Erwachsene zu behandeln sind), aber nie dürfen die Erwachsenen sich 'über die anwesenden Kinder unterhalten. Nichts ist dem Kind peinlicher, als wenn es Mittelpunkt des Gesprächs ist. Wenn ein Scherz über das Kind erzählt wird, irgend eine Uebenswurdig-heitere Geschiente* die das Kind getan hat, so ist das für die Erwachsenen ein Vergnügen, für das..Kind eine Qual. Väterlich-wohlwollend-spöttelnde Erzählungsart ist hier schon die letzte Stufe, die stets zu einem Wein-, ausbrach des. Kindes führt, sehr zu großem Erstaunen der ahanungslfosen Erwachsenen. Man hat eben keine Ahnung ,davon, daß man auch einem Kinde gegenüber den Anstand be- 20

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.