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Der neue Anfang · 1919-01-15 · Heft 2 (15.1.1919) · page 5

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Journal
Der neue Anfang
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 2 (15.1.1919)
Date
1919-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ein Beweisen durch die Tat «in Eingehen auf das Wesen des Kindes, darf man von dem Erwachsenen nicht verlangen. Es ist wirklich erschreckend, wie wenige Erwachsene im Verkehr mit Kindern auch nur die allerschlimmsten Verstöße vermeiden können. Hier werde ich schon unterbrochen; lebhaft erhebt man Einspruch. Ich greife die Famlilie an, sagt man mir; man habe sich in seiner Kindheit sehr wohl gefühlt, den Kindern gehe es sehr gut. Als ob es sich darum' handelte! Es handelt sich darum, daß immer noch niemand (außer einigen ganz wenigen mit angeborenem oder in ehrlicher Arbeit erworbenem Feingefühl) weiß, daß man im Verkehr mit Kindern Anstandsregeln und zwar andere als im Verkehr mit "Erwachsenen, zu beobachten hat. Und da keiner von all denen, die mir hier widersprechen, .diese Anstandsregeln kennt, so bestreite ich ihnen allen das Recht, mitzureden. Mitreden dürfen hier niur die Wenigen, die wissen, wie man sich einem Kinde gegenüber zu betragen hat, und die stehen auf meiner Seite, Was hier fehlt, ist Eins: der Ernst. Nichts als mangelnder Ernst hat alle die Vergehen und Sünden verschuldet, die täglich gfegen die Seele des Kindes begangen werden. Man nimmt weder das Kind noch sein Denken ernst, man belächelt das Kind und alles, was das Kind angeht. So achtet man den Schmerz Ides Kindes viel zu gering und hält es daher für nicht der Mühe wert, ihn zu vermeiden. Der Erwachsene lächelt über die Sorgen des Kindes und begreift nicht, daß sie ebenso furcht terlich, jawohl, fürchterlich sind, wie die seinen. Gewiß sind die Sorgen eines Kindes meistens grundlos, aber es kommt keines.wfegs auf die Berechtigung, sondern hur auf die Wirkung der Sorge an und das Kind, das heftiger fühlt, hat größere Furcht und größere Qual als ein Erwachsener. Wir würden uns über einen Tintenfleck im Schulheft gewiß nicht aufregen, aber die Sorge des Kindes und seine Furcht vor der Strafe ist in Nichts geringer als die Sorge 'des Heerführers' während der Entscheidungsschlacht oder die Furcht des Kaufmanns vor dem Konkurs. * 19

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