Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- IV. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 90 — Fazit. M. M. Walther. Ich hab' in viele Bücher geschaut, Gegrübelt, gedacht und gesonnen, Und Regeln gestürzt, und Regeln gebaut, Und immer von neuem begonnen. Ich lief in die Netze der Theorie, Kam wieder damit in Zerwürfnis: Die Leute, die nannten es Philosophie, Mir aber war's Herzensbedürfnis. Ich schwärmte für jedes Qoethewort, Sein Denken, Lieben und Hassen, In meinem Innern klang es fort: Leben und leben lassen. Ich lernte die Welt von oben sehn Und spotten der Narren und Schwachen, Das Treiben, Drängen und Hasten verstehn Und über die Menschen lachen. Und wer mir in einem nicht wohlgefiel, Der mußte im andern mir glänzen, Und wer verschmähte das leichte Spiel, Dem dient' ich mit Reverenzen. So nutz' ich sie alle und narre sie, Indem ich mich füge gelassen, Das dünkt mir die beste Philosophie: Leben und leben lassen! Ich achte jeden ganzen Mann Und jede Art ich pflege, Doch was ich nicht lieben noch hassen kann, Dem geh' ich aus dem Wege, Das kleine Denken und Wehetun, Das macht nur dumpf und verdrossen: Ich gehe vorbei und lasse sie ruhn Und suche mir andre Genossen. So bleibe ich lebend und rein in Lust, Kann jede Freude erfassen Wer Leben spendet, dem schwillt die Brust! Ja, — leben und leben lassen!