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Der Anfang · 1911-01-01 · IV. Heft (1911) · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
IV. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 88 (sequence 12)
Language
German
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— 88 — Man hat damals, vor drei Jahren, in meinen Worten eine Verherrlichung, sogar eine Aufreizung zum Selbstmord erblickt. Es war, im Gegenteil, schon damals meine Auffassung, daß ein Siebzehn- bis Achtzehnjähriger, wenn er halbwegs richtig erzogen ist, den Kampf mit den Widerwärtigkeiten der Schule so auffassen müsse, wie ein Mann den Kampf mit dem Leben aufnimmt, nämlich wie eine Pflicht, der man sich unter keinen Umständen entziehen darf. Ich finde, daß diese Erkenntnis allein Mut und Kraft geben müßte, — und doch! Während ich diese Gedanken niederschreibe, fühle ich sie schon wie einen Vorwurf, wie eine Herzlosigkeit gegenüber jenen Unglücklichen. Herr Professor Gurlitt hat, wie mir scheint, der einzig richtigen Auffassung mit den schönen und trostvollen Worten am Schlüsse seines Artikels Ausdruck gegeben: „Diese armen Jünglinge sollen nicht umsonst gestorben sein: ihr Tod muß den Zurückbleibenden Befreiung bringen." (Bl.Tag. 12. April.) Doch die Gegenwart ist einer materiellen Strömung der Empfindungen unterworfen und der Beifall der Menge wendet sich Herrn Dr. Mathias zu. Hören wir jetzt ihn. (Berl. Tagbl. 17. April.) „Es ist gar keine Frage: unsre Jugend ist nicht so gesund, wie die Jugend in den Tagen unserer Kindheit, sie ist nicht so widerstandsfähig gegenüber seelischen Eindrücken"; sie ist - man verzeihe das deutliche, aber allein zutreffende Wort — nicht so „dickfellig", wie die Jugend von damals, die auf Schulbänken groß geworden ist, die eher Marterhölzern glichen, als menschenwürdigen Sitzgelegenheiten. Der Primaner von ehedem rauchte aus langen gesundheitswidrigen Pfeifen und vertrug es; er vertilgte Quantitäten Bieres, die ebenso gesundheitsschädlich waren . . Er stellt fest, daß: „die Schule reich sei an verweichlichten Schwächlingen''. Und weiter unten: „Und mit Tragik haben diese Selbstmorde gar nichts zu tun: denn wo Tragik ist da wohnt Kraft, die selbst den Göttern im Kampfe ums Dasein Widerstand zu leisten sich nicht fürchtet.u — Hat es denn wirklich so gar nichts mit Tragik zu tun (abgesehen von Selbstmorden), wenn sich die Jugend eines Volkes in dem von Herrn Dr. Mathias geschilderten wider-

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