Mannheim
Compact Memory

Der Anfang · 1911-01-01 · III. Heft (1911) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
III. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2709933-2709934-2709937--072-2710021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 71 — Briefkasten. An die Redaktion des Anfang. Breslau, 9. 2. 11 Sehr geehrter Herr Barbizon. .... versichere ich Ihnen, daß mich Ihre Antwort auf den Brief jenes Herrn sehr interessiert und ihren Zweck bei mir in vollem Maße erreicht hat. Eine derartige Ausprache eines Gleichaltrigen setzt einem oft wieder den Kopf etwas zurecht, den man vielleicht eben mehr oder minder hat hängen lassen. So war es wenigstens bei mir der Fall, ich befand mich, als ich die betr. Nummer in die Hand bekam, gerade in einer recht pessimistischen Stimmung; da machten mir Ihre Worte wieder klar, daß mit Pessimismus nichts auszurichten ist, — am wenigsten für die Jugend .. Wir müssen den Kopf oben behalten, allen Schulmeistern und Philistern zum Trotz! Allein dann, wenn wir, unbekümmert um konventionelle Vorurteile, unbekümmert um das Beilen von Pessimisten und Pedanten, unsern Weg gehen, — allein dann ist der Sieg unser, — dann aber auch gewiß! Denn das Alte hat noch nie das Junge bezwungen; sondern in der Jugend ist die Kraft, die die Menschheit erhält, in jeder Beziehung; der Jugend gehört die Zukunft!! In diesem Sinne muß sie sich gegenseitig die Hand reichen. Wir müssen zusammenhalten, — sonst bleibt's eben nur bei Worten! Und das darf es nicht! Das Reden und die Thoerien wollen wir den Alten über¬ Sassen, wir wollen handln! Ich wiO Ihnen einen Vorschlag machen, Herr Barbizon: wie wäre, es, wenn zwischen den Mitarbeitern des Anfang eine stete Korrespondenz eingerichtet würde? Ich bin der Ansicht, daß wir dann unser Ziel, auf das wir alle — wenn auch unbewußt — hinarbeiten, viel leichter erreichen könnten. Denn der erste Schritt hierzu ist Verständigung und offene Aussprache unter der Jugend selbst. In einer öffentlichen Zettschrift kann und darf nicht alles gesagt werden: das ist unmöglich. Aber untereinander, im Briefwechsel? .... Ich meine, wir könnten uns untereinander über fast alle Fragen verständigen, die die Jugend beschäftigen. Alle ihre Bedürfnisse und Interessen, alle ihre Erlebnisse, innere wie äußere, könnte sie sich gegenseitig mitteilen. Ein zweiter Punkt wäre der, daß wir unsre Ansichten über alle im Anfang erscheinenden Artikel aussprechen könnten, besonders auch dem Verfasser gegenüber. Auch das wäre für die Tätigkeit der Mitarbeiter von höchstem Nutzen. Weiter: wieviele Freundschaften könnten geschlossen werden! Alle, die jung sind, alle, die leben wollen, alle, die für Großes und Dauerndes .in Kunst und Wissenschaft und Leben eintreten: aOe die gehdren zusammen, und zwar in fester, offener, warmer Freundschaft)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.