Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- III. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2709933-2709934-2709937--069-2710018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 68 — Rede, mitten in der Aufzählung der Schandtaten und inmitten der Geißelung von des Verres Pflichtversäumnis erscheint dann plötzlich ein eingeschobenes Kapitelchen, das man etwa mit: Was bin ich doch da für ein anderer Kerl! überschreiben konnte. „Ihr gütigen Götter!* ruft er entsetzt aus. „Was für ein Unterschied ist doch zwischen den Gesinnungen und Anschauungen der einzelnen Menschen. So wahr eure und des römischen Volkes gute Meinung von mir, ihr Richter, meine Wünsche erfüllen und meine Hoffnungen für die Zukunft zu berechtigten machen möge, habe ich alle Ehrenämter, die. man mir bis heute übertragen hat, so angefaßt, dafi ich mich durch einen Eid gebunden glaubte durch das Heilige, was an jedem Amte haftet." Und nun fährt er fort zu preisen, was er alles getan hat, was er alles tun wird, wenn er nächstes Jahr erst Aedil ist, wozu man ihn ja bereits aufgestellt hat In diesem Kapitel kommt Ciceros ganze Eitelkeit deutlich zu Tage, der wir auch noch später so oft begegnen werden. Sie ist es, die neben seiner später auftretenden Unent-- schlossenheit uns seine Person so verleiden kann, daß wir schließlich an ihm, wie eben die meisten höheren Schüler, nur den eingebildeten Laffen oder den ewig schwankenden und gleitenden Eiertänzer sehen, und daneben ganz vergessen, wie viel Vortreffliches er auf juristischem, rednerischem Gebiete geleistet hat, eine Tatsache, die wohl aus dem eben geschilderten Kapitel aus der Rede gegen Verres hervorgeht Merkat, Breslau. (Schluß folgt.)