Mannheim
Compact Memory

Der Anfang · 1911-01-01 · III. Heft (1911) · p. Seite 66

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
III. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2709933-2709934-2709937--067-2710016
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 66 - im Voraus einen guten Namen machen, er tibergibt die fertigen Reden seinem Freunde, dem Verlags-Buchhändler T. Pomponius Atticus in Athen, und in kurzer Zeit sind Ciceros Reden im ganzen Reiche zu haben. Sie sind ganz in dem Tone gehalten, als ob Verres noch vor Cicero stünde und dieser ihm alle seine Schandtaten ins Gesicht sagte. Von diesen Reden möchte ich einige Stellen etwas genauer betrachten. Besonders hervorstechend ist in ihnen allen — und das hat Cicero vornehmlich von seinem ihm vielfach überlegenen Vorbilde Demosthenes gelernt — der rhetorische Kniff der „Praeteritio", des Uebergehens, etwa wie: „Ich will übergehen" — „Ich will nicht erst anführen, daß der Angeklagte hier gefehlt und da gesündigt hat . . während der Ankläger gerade im Gegenteil nichts übergeht, sondern alle Uebeltaten und Greuel mit kurzen, bissigen Worten anführt. Besonders wirkungsvoll und als Endeffekt gedacht ist die letzte dir 5 Reden, die „De suppliciis" betitelt ist, und den Zweck hat, die Einwände des Hortensius, Verres sei doch ein tüchtiger Feldherr gewesen und habe Sizilien vor einem Sklavenaufstande und Seeräuberkriege bewahrt, von der Hand zu weisen und zunichte zu machen. Cicero weist gerade das Gegenteil nach: daß Verres durch sein schroffes Vorgehen gegen einzelne Leute, die ihm nicht schnell genug beträchtliche Sümmchen zukommen ließen und durch allzu mildes Urteilen gegenüber wertvollen Sklaven, die sich vergangen hatten, deren Herren aber dem Prätor heimlich ein kleines Geschenk (bis zu 120000 M.) gemacht hatten, nur Erbitterung bei den Herren und Freiheitsgelüste bei den Sklaven erweckt habe. Hier finden sich dann großartige Anknüpfungspunkte für den Redner, auf die ganze leichtfertige Art der Provinziatverwaltung des Verres einzugehen. Seine schwierigen Reisen, seine Märsche, seine Anstrengungen „im Felde", die er vorgibt, alles ist erlogen! In einer Sänfte, die von 8 Leuten getragen wurde, ließ er sich nach Art verwöhnter bithynischer Könige von Stadt zu Stadt bringen. Und in der Sänfte war noch ein Kissen, das mit frischen Rosenblättern gestopft war. Einen Kranz hatte er auf dem Haupte, einen anderen um

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.