Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- III. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2709933-2709934-2709937--066-2710015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Cicero 2× ep/1024888
OCR text
— 65 — Cicero« (Wie er einem Abiturienten erscheint.) T^aum ist in den unteren Klassen unserer Gymnasien Caesar einigermaßen abgetan und mit dem nötigen Nachdruck durchgepaukt worden, so erscheint als neues Schreckgespenst auf der Bildfläche: Marcus Tullius Cicero. Nicht als ob er der Römer Größter oder auch nur einer ihrer ersten Staatsmänner gewesen wäre. Nein! Der Welt ist nur das Glück beschieden gewesen, daß alle seine zahlreichen Reden, Briefe und philosophischen Abhandlungen — es soll allerdings auch Leute geben, die bestreiten, daß man Schriften wie die „Tusculanae Disputationes" Philosophie nennen könne — fast vollständig uns erhalten geblieben sind, sodaß noch 1900 Jahre und mehr nach Ciceros Ableben dieser den ganzen Horizont eines Sekundaners und Primaners ausmachen kann. Weil er nun aber einmal das Glück hatte, sich für die fernste Zukunft unsterblich machen zu können, so verlohnt es sich wohl der Mühe, nicht etwa die Daten seines Lebens und seine „Heldentaten", wie er sie selbst nennt, zu betrachten — denn davon ist schon gar zu viel geschrieben worden. Nein! Ich will vielmehr seine Persönlichkeit daraufhin prüfen, ob man von ihr etwas lernen kann und ob Cicero sich besonders für Schüler zum Vorbilde eignet, die Charakterfestigkeit und Entschlußfähigkeit erlangen sollen. Dabei werde ich aber selbstverständlich auch, um ihm gerecht zu werden, auf Ciceros Bedeutung für die Redekunst und für die Ausbildung und Vervollkommnung der lateinischen Sprache hinweisen. Das beste, was Cicero auf rethorischem Gebiete geleistet hat und wohl das juristisch Unübertrefflichste, sind die Reden gegen Verres, die selbst den ersten Redner jener Zeit, Hortenshts, der den berüchtigten Prätor von Sizilien, Gaius Verres, verteidigen sollte, zum Schweigen brachten. In sieben Reden zieht hier Cicero gegen den ungetreuen Statthalter los, die immer eine die andere an juristischen Spitzfindigkeiten und gemünzten Feinheiten übertreffen. Verres entweicht schon auf die ersten beiden Reden hin aus Rom, Cicero aber ergreift die Gelegenheit, sich allgemein bekannt zu machen — er möchte fürs nächste Jahr sich alsAedil schon