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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-12-01 · 6 (Dezember 1929) · page 42

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
6 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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prinzipiell nicht die in § 3 des J. O. G. erforderliche Fähigkeit besitzt, das Ungesetzliche seiner Tat zu begreifen und seinen Willen seiner Einsicht gemäß ®u bestimmen. Webler stellt sich auf den Standpunkt, daß der Jugendliche einen Maingel an sozialer Reife aufweist, an Fähigkeit, die soziale Schädlichkeit seines Tuns und den tieferen Sinn einer gesellschaftlichen Ordnung zu erfassen. Diese Fähigkeit fehlt dein Jugendlichen nach Webler schlechthin, sie stellt «inen allgemeinen Schuldausschliassungsgrund dar. Weiterhin weist Webler auf den schon oft hervorgehobenen Widerspruch zwischen Erziehung und Strafe im System des Jugendgerichtsgesetzes hin. „Rechtsstrafverfahren und Reoht&strafe einerseits und Erziehung andererseits schließen sich aus/' Einen wesentlich neuen Gedanken fügt Webler hinzu, daß die .Strafe als Geld- oder Freiheitsstrafe «inadäquate Straf mittel für die Jugend sind. Das Gericht verurteilt den Jugendlichen zu Geld¬ oder Freiheitsstrafen. „Der Jugendliche aber hat potentiell weder Geld noch Freiheit (wirklich verfügbaren, ausreichenden Arbeitsverdienst und Freizügigkeit im Sinne des Erwachsenen) und quittiert diese Strafen dementsprechend.11 Im weiteren Teil seiner Abhandlung schildert Webler die pädagogischen Mängel des Jugendgerichtsverfahrens, die sich besonders deutlich in idem komplizierten Gerichtsapparat wie auch in der pädagogisch unhaltbarein Zumutung an ,den Jugendrichter äußern, nach dem kurzen Eindruck der Hauptverhandlung, die pädagogisch richtige Auswahl des Erziehungsmittels zu treffen. Es ist zu wünschen, daß die recht interessante Streitschrift noch bei der Beratung des Strafgesetzentwurfs und des Entwurfs der Strafprozeßordnung die Beachtung findet, die sie verdient. Georg L u b i n s k i. B e r u t swünsche und Zu- Icunftspläne der Jugend an höheren Schulen. Herausgegehen von Theodor Friedrich und Waldemar Voigt. Ferdinand Hirt, Breslau, 1928. Das Buch enthält den psychologischen Versuch, die Berufswünsche und Zukunftspläne höherer Schüler auszuwerten. Etwa 14.000 Schüler höherer Schulen in Leipzig wurden befragt und haben teils genaue, teils ungenaue Antworten erteilt. Wir lesen Zustimmung und Ablehnung aus ihren Mitteilungen, hier wird die Agression gegen die Schule, dort die Furcht vor dem Berufsleben erkennbar. Von jedem Jugendlichen liegt ein ausgefüllter Fragebogen und eine Niederschrift vor; alle Aeußerungen der Jugendlichen — vor allem Jungen sind befragt worden, die Mädchen sind etwas zu kurz gekommen — sind nach den verschiedensten Gesichtspunkten ausgewertet worden und bieten ein umfangreiches Material für jeden, der sich mit Jugendfragen beschäftigt. Außer der statistischen Gesamtübersicht über die Ergebnisse des Versuchs gibt es in dem Buch eine Reihe höchst beachtlicher Artikel, wie: „Beweggründe für den Berufswunsch bei Elf- und Dreizehnjährigen4', ferner „Die Entwicklung der Berufsneigung1' oder „Die Berufswünsche des Industriekindes", ,jDie seelische Einstellung der jungen Mädchen zu den Möglichkeiten und Forderungen des Lebens, insbesondere zu Beruf und Ehe". Für jeden Berufsberater, aber auch für jeden Lehrer und Erzieher ist das Buch sehr wertvoll, "'eil es sehr viele neue Anregungen gibt, weil es eine große Anzahl Jugendlicher über ihre eigenen Wünsche und Anlagen oft sehr kritisch sprechen läßt und dadurch neue, manchmal nicht genügend beachtete Probleme aufrollt. Alles in allem ein überaus schönes Buch, von dem man sagen kann, daß man wirklich etwas versäumt hat, wenn man es nicht gelesen hat. Lucie Zobel. Z a d o w, Emilie, Kinder des Staates, Agentur des Rauhen Hauses G. m. b. H., Hamburg 1929, br. RM. 2.—, geb. RM. 3.—. Wer dieses kleine Buch, das Buch einer Fürsorgerin, in die Hand nimmt, denkt vielleicht, „schon wieder" oder „nur" das Buch einer Fürsorgerin. Doch diese Schrift ist nicht der befürchtete trockene „Bericht". Weil es vom Elend der Allerärmsten schreibt und von der Problematik der für diese Menschen zu leistenden Arbeit nicht zurückweicht, ist es so überaus lesenswert (es ist auch ganz ausgezeichnet geschrieben). Die „Allerärmsten", 170

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