Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 6 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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die einzelnen Berufe stellt sich im einzelnen wie folgt dar: Auewanderer einschl. Angehörige: Beruf 1. Halbjahr 1929 Landwirtschaft......6.137 Industrie ........9.955 Handel und Verkehr .... 4.521 Verwaltung und freie Berufe ........ 538 Gesundheitswesen..... 607 Häusliche Dienste und Erwerbstätigkeit ohne feste Stellung . . 5.352 27.110 ohne Beruf und Berufsangabe .....3.219 ohne jede Angabe .... 515 30.844. Erwerbstätige Auswanderer (ohne Angehörige): Beruf 1. Halbjahr 1929 % Landwirtschaft . . . 4.365 19,1 Industrie ..... 8.348 36,5 Handel und Verkehr . 3.841 16,8 Verwaltung und freie 470 2,0 Gesundheitswesen 570 2,5 Häusliche Dienste und Erwerbstätigkeit 23,1 ohne feste Stellung . 5.280 22.874 100,0 ohne Beruf und Berufsangabe . . . 2.122 24.996. Die Auswanderung der Joden ans Polen Polen gehört zu den Staaten Europas, die unter einer starken Uebervölkerunigi zu leiden haben. Durch den «hohen natürlichen Bevölkerungszuwachs, durch den starken Bodenmangel auf dem Lande, durch die infolge des Fortfalls des russischen Absatzmarktes geringe Aufnahmefähigkeit der polnischen Industrie sind alljährlich viele Tausende von jungen Arbeitskräften gezwungen auszuwandern, um in der Ferne Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. Seit der Gründung des polnischen Staates (November 1918) bis zum 1. Januar 1928 sind aus Polen 884.400 Personen ausgewandert. Während der ersten Jahre wurde die starke Auswanderungsbewegwng kompensiert durch eine gleich starke Rückwanderung aus den russischen Gebieten. Seit 1923 jedoch übersteigt die Emigrationsziffer die der Immigration bei weitem. Vergleicht man die Zahlen der Ein- und Auswanderung während der Jahre 1923—1927, so stellt man einen Ueberschuß der Auswanderung von 373.000 Personen fest. Von den insgesamt 884.400 Ausgewanderten begaben sich 429.100 in andere europäische Länder und 455.200 Personen nach Ueberseeländern. Die Juden, die als überwiegende Stadtbevölkerung unter den neugestalteten wirtschaftlichen Verhältnissen sehr zu leiden haben, haben starken Anteil an der Auswanderungsbewegung. So machte z. B. die Zahl der aus Polen nach Ueberseeländern auswandernden Juden in den Jahren 1921—1927 219 800 aus, d. s. annähernd 66 % der Gesamtemigration aus Polen nach den Ueberseeländern. (Innerhalb der Gesamtbevölkerung Polens bilden die Juden nur ca. 10 %•) E>er Prozentsatz der nach den europäischen Staaten auswandernden Juden ist bedeutend niedriger (obgleich er auch hier weit über ihrem Verhältnis zur Bevölkerungsziffer steht!), da die jüdische Auswanderung aus Polen sich in der Hauptsache nach den Ueberseeländern richtet. In der ersten Hälfte des Jahres 1928 (für das ganze Jahr liegt noch kein abgeschlossenes Material vor) belief sich die Zahl der mach den Ueberseeländern auswandernden Juden auf 6680. Relativ ist der Prozentsatz auf 20,5 % gesunken. Diese Erscheinung erklärt sich jedoch aus der allgemeinen Verstärkung der Emigration nach den Ueberseeländern sowie aus dem Ausfall der Palästinaeinwanderung, die in den Vorjahr-ei: bei der Gesamtzahl der Auswanderung nach den Ueberseeländern eine beträchtliche Rolle gespielt hatte. So verteilt sich die Zahl der 219.800 aus Polen nach diesen Ländern ausgewanderten Juden wie folgt: 137.769 (d.s. 62,7%) nach den U.S.A., 36.652 (d. s. 16.7% nach Palästina, 26.363 (d. s. 12%) nach Argentinien. Der Rest ging nach Canada, Brasilien u. a. Ueberseeländern. Die jüdischen Auswanderer Polens rekrutieren sich hauptsächlich aus der Bevölkerung der »großen Städte, in denen sich die Arbeitslosigkeit und der Deklassierungsprozeß während der letzten Jahre sehr fühlbar machen. So entstammten die in der ersten Hälfte des Jahres 1928 158