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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-12-01 · 6 (Dezember 1929) · page 2

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
6 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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geben. Tausende jüdischer Menschen liegen alljährlich auf der Wandeonschaft, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land — heimlos, heimatlos, hilflos. Tausende jüdischer Menschen setot die gegenwärtige wirtschaftliche Ordnung, nicht nur aus rein wirtschaftlichen Gründen, sondern, weil wir Juden sind, alljährlich frei, ohne Möglichkeit der Wiedereinordnung. Nicht die Oberfläche, sondern die tiefe Ursächlichkeit dieser Erscheinungen und ihre Hilfsmöglichkeiten zu betrachten, war unsere Aufgabe und unsere Pflicht: jüdische Wanderung als jüdisches Schicksal im internationalen Zusammenhange (Ausländerschutz, Ausländerrecht, Einwanderungsmöglichkeiten und Auswanderungsnotwendigkeiten), internationales Arbeitsrecht, gesetzgeberische Gestaltung der deutschen Wanderfürsorge, Arbeitsstätten, Arbeiterkolonien) und jüdische Arbeitslosigkeit als besondere jüdische Not und besondere jüdische Aufgabe auf lange Sicht (Bevölkerungspolitik, Mittelstandshilfe, Berufsberatung, Berufsumschichtung, Arbeitsnachweis und Arbeitsvermittlung). Die Betrachtung, Untersuchung und Klärung all dieser Probleme erfolgte nicht im luftleeren Räume, sondern wir versuchten, eine Einheit herzustellen der Erfordernisse eines erkennenden und sich selbst bejahenden Judentums und der Erkenntnisse einer modernen Sozialpolitik, die sich der Grenzen ihrer Möglichkeiten im gegenwärtigen System wirtschaftlichen Verhaltens bewußt ist. So mußte sich unsere Kritik oft genug richten gegen uns selbst als dem Reservoir veralterter und rückständiger Anschauungen und Maßnahmen, aber auch gegen eine sich selbst bescheidende offizielle Sozialpolitik, die das Gesetz ihres Handelns sich nur zu oft von gestrigen Mächten diktieren läßt. Jeder weitere publizistische Versuch, der erneut unternommen wird, wird sich in den gleichen Bahnen bewegen müssen, sofern er mit dem Anspruch auftreten will, nicht nur dem Gebot der Stunde, sondern einer in die Zukunft weisenden jüdischen Wirksamkeit auf wohlfahrtspflegerischem und sozialpolitischem Gebiete gerecht zu werden. Die neue „Z e i t s c hri f t für jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", die die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise und die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden gemeinsam im neuen Jahr herausgeben, wird im Sinn unserer dreijährigen .Tätigkeit weiter arbeiten. Wir hoffen von der neuen gemeinsamen Zeitschrift eine verstärkte Klärung all der grundsätzlichen Probleme, mit denen die gegenwärtige jüdische Sozialarbeit zu ringen hat, wir erwarten von ihr eine gesteigerte Einwirkung auf die praktische Fürsorgetätigkeit in allen Bezirken unseres Wirkens, und wir wünschen von ihr eine Stärkung all jener Tendenzen, die geeignet sind, unter Klärung, Beachtung und Betonung unserer jüdischen Sonderaufgaben die jüdische Wohlfahrtspflege einzureihen in den Umwandlungs- und Vertiefungsprozeß, in dem sich seit bald einem Jahrzehnt die allgemeine und moderne Wohlfahrtspflege befindet. 130

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