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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-11-01 · 5 (November 1929) · page 14

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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dieses Problem wird wohl erst in der kommenden Konferenz erfolgen. Falls dieses Abkommen ratifiziert wird, woran kaum zu zweifeln ist, so wird jeder Durchwanderer für den Unfall oder Todesfall mit einer Summe zwischen 200 und 300 £ versichert sein. 3. Bei der Diskussion über die Frage der Schaffung eines Lebens- und Erhaltungsbeitrages durch den Auswanderer an Familienmitglieder ergaben sich innerhalb der Konferenz starke Gegensätze, insbesondere zwischen den Delegierten der Arbeiter¬ und Gewerkschaftsorsranisationen und denen der großen Fürsorgeorganisationen. Der Sekretär der Wiener Arbeiterkammer, Dr. Rager, hatte der Konferenz genaue Vorschläge ausgearbeitet, die den Interessen der Arbeiterwanderung dienen sollten. Er verlangte unter allen Umständen, daß die Konferenz dem Völkerbunde keinen Vorschlag unterbreiten dürfte, der die Freizügigkeit der Wanderer, z. B. durch Verweigerung von Pässen, einschränkt. Die fürsorgerischen Interessen der zurückbleibenden Familie dürften nicht soweit getrieben werden, daß dadurch die Wanderung unterbunden werden könnte. Er verlangte vielmehr, daß die Konsulatsbehörden des Einwanderungslandes einen so engen Kontakt mit dem Einwanderer herzustellen hätten, daß dadurch Gewähr gegeben werde, daß die Einwanderer sich weiterhin um ihre Familie kümmern. Als wichtigster Vorschlag ist die Forderung einer Konvention an den Völkerbund anzusehen, durch die sich die ratifizierenden Staaten zu weitgehender Rechtshilfe in Versorgungsangelegenheiten wechselseitig verpflichten. 4. Um dem schwierigen Problem der Doppelehe des Auswanderers zu begegnen, sollen die Einwandererstaaten verpflichtet werden, daß die die Ehe abschließenden Behörden in jedem Falle von der Heimatsbehörde des Einwanderers ein offizielles Dokument einzufordern hätten, aus welchem der Familienstand des Einwanderers hervorgeht. Damit würde der außerordentlich schwierigen Frage der Doppelehe begegnet werden können. Eine endgültige Stellungnahme konnte zu all diesen Problemen wegen der gegensätzlichen Interessen, die bei den einzelnen Fragen zu Tage traten, nicht erreicht werden, so daß ein^ Sonderkommission zur endgültigen Ausarbeitung der an die zuständige Völkerbundskommission zu machenden Vorschläge eingesetzt wurde. 5. Die Vertreterin des polnischer^ Auswanderungsamtes legte der Konferenz ein genaues Programm des geistigen Examens und der Vorbereitung der Einwanderer vor; es wurde insbesondere verlangt, daß die Auswanderungsländer sich mehr als bisher um die Vorbereitung für das Zielland kümmern sollten, und es wurde weiter vorgeschlagen, daß die Einwanderungsländer in den wichtigsten Auswanderungsländern Aemter einrichten sollten, die die Eignung der Auswanderer prüfen sollten, um eine sinnlose und von vornherein zum Scheitern verurteilte Wanderung zu vermeiden. Auch bei dieser Frage ergaben sich sehr starke Meinungsverschiedenheiten, sodaß auch hier auf Grund einer Anregung des Internationalen Arbeitsamtes eine besondere Kommission mit der Lösung dieser Frage betreut wurde. Die Konferenz selbst war von mehr als 50 privaten Organisationen aus aller Welt beschickt. 8 jüdische internationale Organisationen waren vertreten. Es hat sich bei dieser Tagung gezeigt, daß die jüdischen Organisationen an der Existenz und an dem Ausbau der Konferenz ein besonderes Interesse haben, da die zur Verhandlung kommenden Fragen das Schicksal der jüdischen Wanderung in ganz besonderer Weise berühren, und daß es außerordentlich wichtig ist, daß die jüdischen Organisationen ihren Einfluß geltend machen, um Beschlüsse zu fördern oder zu verhüten, die der jüdischen Wanderung von unermeßlichem Schaden sein könn+en. Kr. Die Arbeiterwanderungsbewegung in Frankreich im Jahre 1928 Verglichen mit den Zahlen für das Vorjahr zeigen die amtlichen französischen Wanderungsstatis+iken für 1928 eine erhebliche Zunahme der Einwanderung und auch eine sehr beträchtliche Abnahme der Rückwanderung eingewanderter Arbeiter. Die Zahlen für 1928 lassen aber erkennen, daß die Einwanderungsbewegung doch unter dem Jahresdurchschnitt 110

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