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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-10-01 · 4 (Oktober 1929) · page 21

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
4 (Oktober 1929)
Date
1929-10-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Auswanderung ans Polen 1927—1S2S Die Auswanderung aus Polen zeigt in den letzten Jahren eine langsame Steigerung. Während 1927 147.614 Personen aus- und 79.813 ins Land zurückwanderten (Mehrauswanderung 67.801), betrugen die entsprechenden Zahlen 1928 186.630 Auswanderer und 119.080 Rückwanderer (+67.550 Auswanderer). Zwei Drittel der Auswanderer zogen nach europäischen Ländern, wie auch die -Rückwanderer fast ausschließlich aus Europa zurückkehrten, nur 6.159 kamen aus überseeischen Ländern zurück. In das Deutsche Reich gingen 1928 85.375 Personen, hiervon über 60.000 in den Monaten März und April. Rückgewandert sind in demselben Jahr aus dem Deutschen Reich 87.224, hiervon fast 80.000 in den (Monaten Oktober, November und Dezember, nach Beendigung der Landarbeiten. Am zweitstärksten ist die Auswanderung nach Frankreich, von wo die Auswanderer für gewöhnlich erst nach einigen Jahren heimkehren. Trotz der vielen Schilderungen über die traurigen Schicksale der polnischen Arbeiter in Frankreich sind 1928 dorthin 32.145 ausgewandert. Zurückgekehrt sind in derselben Zeit nur 10. 058. Die polnische Auswanderung nach Amerika betrug 1928 nur 8.507, die nach Kanada 27.036, nach Argentinien 22.007, nach Brasilien 4.402, nach anderen Weltteilen außer Amerika nur 2 513. Statistik der Wanderscheine für Arbeitslose im Winterhalbjahr 1928/29 Im Anschluß an die Verordnung über den Wanderschein für Arbeitslose vom 30. III. 1928 (Reichsarbeitsblatt 1928, Nr. 10 I. <S. 88 ff., s. auch Jg. 2, Nr. 1/2 ds. Ztschr.) ist für die Zeit vom 1. -Oktober 1928 bis 31. März 1929 erstmalig eine Statistik der Wanderscheine durchgeführt worden. Es sind in dieser Zeit von den Arbeitsämtern insgesamt 1701 Wanderscheine ausgegeben worden, und zwar 1647 (= 96,8%) an Empfänger von versicherungsmäßiger Arbeitslosenunterstützung und von Sonderimterstützung bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit und 54 (= 3,2%) an Empfänger von Rrisenunterstützung. 773 (= 45,4%) der Unterstützungsempfänger waren im Alter von 18 bis 21 Jahren und 867 (= 51,0%) über 21 bis 30 Jahre. An Arbeitslose von mehr als 30 Jahren sind — als Ausnahmefälle — Wanderscheine nur in 22 Fällen (=1,3%) erteilt worden. Die Beruf sgruppen Baugewerbe mit 41,3%, Metallverarbeitung und Industrie der Maschinen mit 21,5% und das Holz- und Schnitzstoffgewerbe mit 14,1% vereinigen auf sich den weitaus größten Anteil. Gebietlich sind an der Ausgabe der Wanderscheine die Landesarbeitsamtsbezirke im Westen und Süden Deutschlands am stärksten beteiligt; fast ein Drittel aller Wanderscheine sind im Süden ausgegeben. Als Ziel wurden am stärksten das Rheinland (20,9% der Fälle), Südwestdeutschland (16,8%), die Nordmark (15,3%) und Bayern (13,5%) angestrebt. Das Wanderziel war im allgemeinen sehr weit gesteckt. Ein verhältnismäßig starker Austausch hat zwischen nord- und süddeutschen Bezirken stattgefunden. So interessant die Statistik im einzelnen auch ist (s. Reichs-Arbeitsmarkt-Anzeiger Nr. 27 v. 2. Juli 1929), so kann sie dennoch ein auch nur einigermaßen gültiges Bild der allgemeinen Wanderung nicht ,geben, da, gemessen an der Oesamtzahl der deutschen Wanderer, nur ein geringer Prozentsatz von den Wanderscheinen Gebrauch gemacht hat. Andrerseits kann mit der Ausstellung von insgesamt 1701 Wanderscheinen auch nicht eine erhebliche Vermehrung der Wanderung verbunden gewesen sein. Es bleibt abzuwarten, ob mit der verstärkten Wanderung im Sommer auch eine stärkere Inanspruchnahme der Wanderscheine erfolgt ist. Go. ARBEITSMARKT Ausgleich wirtschaftlicher Konjunktur- und Saisonschwankungen Einen für die künftige Entwicklung des Arbeitsmarktes überaus wichtigen Schritt haben soeben der Reichsarbeitsminister und der Reichswirtschaftsminister durch einen gemeinsamen Auftrag an den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung getan. (S. RAB1. I. S. 181 ff.). Es handelt sich darum, einen von wissenschaftlicher Seite aus schon lange propagierten und auch von Regierungsseite aus schon verfolgten Gedanken in die Tat umzusetzen: die 85

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