Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 1-2 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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vielgestaltig, als daß man eine Gesamtsumme praktisch auswerten könnte, insbesondere geht die wichtigste Gruppe der Wohlfahrtsarbeitslosen daraus nicht hervor. Es wurden von den Bezirksfürsorgeverhänden laufend unterstützt im Rechnungsjahr 1927: 1,583.356 Personen, ferner einmalig 18,375.058 Personen. Die Aufwendungen betrugen insgesamt 562,589.878 Mk;., über % Milliarde Mark, davon nimmt die Gruppe der sonstigen Hilfsbedürftigen allein 341 Mill. in Anspruch, ein deutlicher Beweis dafür, wie notwendig eine Differenzierung gewesen wäre. Berlin und die Rheinprovinz stehen mit 140 bezw. 128 Mill. Aufwand unter den Provinzen an der ersten Stelle. Ein wesentlicher Teil der Hilfsbedürftigen wird von den Landesfürsorgeverbänden direkt unterstützt. (Geisteskranke, Geistesschwache, Taubstumme, Blinde, Krüppel u. a.). Ihre Zahl belief sich auf 414.128 Personen. Von diesen waren, allerdings ohne Berlin (Angaben fehlen), nur 488 Ausländer. Von den Gesamtkosten der Landesfürsorgeverbände in Höhe von 99.256.354 Mk. entfielen (ohne Berlin) nur 241.378 Mk., also nicht K% auf Ausländer. Erwähnt sei zum Schluß noch eine besonders wichtige Tabelle über die Fürsorgeerziehung im Jahre 1926 (für 1927 s. o.), die nach vielseitigen Gesichtspunkten durchgearbeitet ist. Leider fehlt wiederum die Gesamtstatistik der in Fürsorge befindlichen Jugendlichen überhaupt. Neu überwiesen wurden 1926 insgesamt 9.600 Personen, davon 2.818 zur »Verhütung«, 6.586 zur »Beseitigung«. 1.636 werden als »beschränkt« bezeichnet. Sehr illustrativ sind die Untersuchungen über die Herkunft der Jugendlichen. Nur 557 5.8% kommen aus der Landwirtschaft. Es ergibt sich auch hier wiederum die Frage nach dem Wert unserer heutigen, vorwiegend landwirtschaftlichen Fürsorgeerziehung überhaupt. —dt. Keller, Dr. Karl, Landwirtschaft und Fürsorgeerziehung. Der erzieherische Wert der landwirtschaftlichen Arbeit in der Fürsorgeerziehung. Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg. »Den landwirtschaftlichen Beruf als den ersten, schönsten und höchsten ehren und lieben lernen«, in diesem Gedanken haben Fellenberg und Wehrli vor mehr als einem Jahrhundert die ersten landwirtschaftlichen Erziehungsanstalten für die gefährdete Jugend gegründet. Wir stehen heute vor der Frage, inwieweit wir berechtigt und verpflichtet sind, als Erbe dieser Gesinnung auch heute noch für landwirtschaftliche Fürsorgeerziehungsanstalten einzutreten. Keller hat auf Grund seiner Untersuchungen in obigem Buch diese Frage weitgehend bejaht. Man kann dies Urteil nicht ohne Kritik hinnehmen, insbesondere deshalb nicht, weil die fast vollkommene Ausschließlichkeit, mit der heute allein landwirtschaftliche Fürsorgeerziehung betrieben wird, in jedem Fall zu Bedenken Anlaß geben muß. Die päda gogische Bedeutung landwirtschaftlicher Arbeit ist zwar offensichtlich, nicht zu übersehen auch ihr wirtschaftlicher Zweck: Seibsterhaltung nach innen, Musteranstalt nach außen. Die wichtigsten Fragen jedoch, <die sozialen, die spätere Wiedereingliederung des Fürsorgezöglings in das Wirtschaftleben, zweckmäßige Berufsberatung und Berufsausbildung, soziale Eingliederungs- und Erlebnismöglichkeiten bleiben auch bei der noch so gut geleiteten landwirtschaftlichen Erziehungsanstalt offen. Deshalb wird der Wert landwirtschaftlicher Fürsorgeerziehung dort zur Illusion, wo sie gerade am brennendsten ist: bei den Jugendlichen, die aus dem städtischen Proletariat kommen (die Regel), die aus ihrer gewohnten Umgebung in eine völlig wesensfremde, ungekannte und nicht gewünschte Umgebung verpflanzt werden. —dt. Elsas, Dr. Fritz, Zur Reform der Arbeitslosenversicherung. Schriftenreihe der öffentlichen Arbeitsfürsorge, Zweite Reihe, Verlag von W. Kohlhammer in Stuttgart, 1929. Eiserhardt, Dr. Hilde, Ziele eines Bewahrungsgesetzes. Veröffentlichungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, Heft 15, Frankfurt a./M., Stiftstr. 30, 1929. Lieb ran dt, M. P., Jugendfürsorge und Jugendpflege, Ein Hilfsbuch für Jugendleiter und Jugendpfleger, Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, G. m. b. H., Berlin, 1929. 40