Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 12 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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verankert in der katholischen Weltanschauung, daß sich eine sozialpädagogisohe EinzeLkritik erübrigt. Dr. Hanna Eisfelder. Jacob T e i t e 1: Aus meiner Lebensarbeit. Erinnerungen eines jüdischen Richters im alten Rußland. Mit Begleitworten von Professor S. Dubnow und Maxim Gorki. I. Kauffmann, Frankfurt, 1928. Die Erinnerungen Jacob Teitels vermitteln uns mehr als das Bild einer seltenen Persönlichkeit. Sie sind ein wertvolles Dokument, ein Beitrag zur Kenntnis der Lage des russischen Judentums der Vorkriegszeit. Aber darüber hinaus zeigen sie, was ein einzelner, dem der Kampf gegen die soziale Not seines Volkes zur Richtschnur seines Lebens wird, zu wirken imstande ist. Man Ikönnte leicht geneigt sein, dieses Handeln im Alltag und für den Alltag, ohne konstruktive zukünftige Perspektive, am endgültigen Erfolg gemessen, für unerhebliche Philantrophie einzuschätzen. Aber wer die Not des Tages und jener Tage in Rußland kennt, weiß, daß auf jenen »Gerechten« und ihrem täglichen Tun klie Fortexistenz eines Volkes und der Welt beruht. Teitel war Richter in einer kleinen russischen Stadt. Dort erlebte er die Not der jüdischen Masse, die vom Zarismus mit allen Mitteln der iPolitik, des Gesetzes, der Gewalt zerrieben, aus dem Ansiedlungsrayon nach der Freiheit der Stadt strebte. Das Auienthaltsrecht war zu erkämpfen, dem kleinen Handwerker seine Existenz zu begründen, die Jugend strebte nach Ausbildung und Ansiedlnngsberechtigung, behördliche Schükane und pöbelhafter Angriff mußten abgewehrt werden — Teitel war das Zentrum aller Hilfsmöglichkeiten, bis der Staat, auf ihn aufmerksam gemacht, den einzigen jüdischen Richter Rußlands zur Demission zwang. Die erzwungene Muße führte ihn größeren Aufgäben zu: im Auftrage internationaler jüdischer Organisationen verhandelt er mit der portugiesischen Reigerung wegen der Ansiedlung von Juden im portugiesischen Kolonialgebiet, kurz vor dem Kriege leitet er eine internationale Hilfsaktion für die jüdischen Studenten ein, denen Rußland seine Universitäten verschloß, und die dadurch gezwungen waren, in aller Welt ein Dasein voller iNot zu fristen. Nach dem Kriege finden wir ihn in Berlin wieder an der Sjpitze des »Verbandes der russischen Juden«, jenes verdienstvollen Hilfswerkes ifür die russischen Flüchtlinge. Mit einiger Skepsis und einiger Verzweiflung schließen Teitels Erinnerungen. Zweifel an seinem Volke, das seine Besten hungernd untergehen läßt. »Veranstalten Sie, meine Herrschaften, keine feierlichen Sitzungen mit hochtrabenden Reden nach dem Tode Ihrer besten Brüder. Kümmern Sie sich lieber um sie, solange sie leben. Haben Sie keine Angst, daß sie ewig leben werden; sie werden schon sterben, und dann werden Sie Zeil haben, Ihre Ansprachen zu halten.« Kr. Der Große Brock haus. Handbuch des Wissens in zwanzigBän den. Fünfzehnte heubearbeitete Auflage von B r o c k Ii a u s' Konversationslexikon. Erster Band A—Ast. 1928. Die neue Auflage des Bxockhaus, dessen erster Band vorliegt, rechtfertigt aufs neue seinen großen Ruf und seine Wertschätzung. Die Ausstattung und Druckanordnung läßt kaum etwas zu wünschen übrig. Die einzelnen Artikel werden durch ausgezeichnete Karten und Bildmaterial ergänzt. Es dürfte keinen Sinn haben, 'kleinliche Fehlerquellen aufzuzeigen, die natürlich bei solchem Riesenunternehmen unvermeidbar sind. Es sei darauf verwiesen, daß der vorliegende Band auf ca. 30 Seiten die wichtigsten Fragen unseres Arbeitsgebietes behandelt: Arbeitslosenversicherung, Arbeitsrechts - fragen, Arbeitsämter, Arbeitslosigkeit, Arbeiterkolonien etc. Kr. Denkschrift über den Geburtenrückgang. Dem Reichsministerium des Inneren gewidmet. Reichsbund d. Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie E. V. Grauert-Schoppen-Mansfeld, Der Rechtsstreit im Arbeitskampf der westdeutschen Eisenindustrie 1928, Beiheft zu den Entscheidungen des Reichsarbeitsgerichts und der Landesarbeitsgerichte, J. Bensheimer (Reimar HHoibibing, MannheimnBerlin- Leipzig, 1929. W a t e r s, Dr. phil. Miriam, Jugendrichterin, Los Angeles, Jugend in Not, Ins Deutsche übertragen von Dr. iur. Hans Weiß, Zürich. Mit einem Vorwort von Alice Salomon, Carl Heymanns Verlag, Berlin, 1929. 263