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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-02-01 · 8 (Februar 1929) · page 24

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
8 (Februar 1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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lieh selbst erhalten könne, ein erhöhter Zuschuß bewilligt Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß Rabbiner, Lehrer und Aerzte, an die sich erfahrungsgemäß die ratbedürftigen Eltern schwer erziehbarer Kinder wenden, auf das erste jüdische Heilerziehungsheim hinweisen möchten. Die Begründung von Beobachtungsstellen für psychopathische Kinder wurde empfohlen. Bei der Verteilung der Subventionen stellte sich heraus, daß in manchen Gegenden zu viele gleichartige Anstalten, besonders Waisenhäuser, vorhanden sind. Eine Zusammenlegung solcher Anstalten wird in Betracht gezogen werden müssen. Der Wohlfahrtsausschuß sprach sein Bedauern darüber aus, daß ihm bei der E t a t s f e s t s e t z u n g von Jahr zu Jahr die Mittel für seine sozialen Aufgaben verkürzt werden. Er faßte folgende Resolution: „Der Wohlfahrtsausschuß bedauert, daß der Rat des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden bisher die Schaffung der geplanten Arbeiterkolonie nicht ermöglicht hat, und bittet dringlich, die erforderlichen 30.000 Markbaldigst zu bewillige n." Bevölkerungspolitik und die Begründung von Haushaltungsschulen bildeten den Mittelpunkt der allgemeinen Verhandlungen. Der bevölkerungspolitische Ausschuß hat beschlossen, zur Klärung der Probleme und der Möglichkeit praktischer Maßnahmen eine Konferenz von etwa 40 bis 50 Personen einzuberufen, für die ein Programmentwurf vorliegt. Von theoretischen Erörterungen soll abgesehen, und nur solche Vorschläge sollen besprochen werden, die von Seiten der Verbände und Gemeinden wirklich durchführbar sind. Der bevölkerungspolitische Ausschuß wurde beauftragt, das gesamte Programm noch einmal durchzuberaten und die Themen und die Redner zu bestimmen. Für hauswirtschaftliches Ausbildungswesen wurde von Frau Ollendprff ein ausführliches Programm entwickelt. Eine Gesetzesvorlage über Einrichtung der hauswirtschaftlichen Berufsschulpflicht steht in Aussicht. Darauf habe der Wohlfahrtsausschuß sich vorzubereiten. Es soll in jeder größeren Gemeinde eine Haushaltungsschule eingerichtet werden. Die Schulen sind bei der in Deutschland bestehenden Arbeitslosigkeit von größter Wichtigkeit. Jüdische Hausfrauen werden sich eher entschließen, jüdisches Personal anzustellen, wenn dieses eine gründliche Vorbildung erhalten hat. Für hauswirtschaftlich gut vorbereitete Mädchen werden sich die Heiratsaussichten mehren und die Zahl der Mischehen dadurch verringert werden. Zur Leitung einer Haushaltungsschule soll eine staatlich geprüfte Gewerbelehrerin berufen und die Schulen müssen nach staatlich genehmigtem Plane geführt werden. Städtische und staatliche Subventionen müssen angestrebt werden. Die Vorarbeiten soll der jüdische Frauenbund, verstärkt durch einige Sachverständige, übernehmen. Es wurde ferner in Aussicht genommen, das wegen mangelhaften Besuches geschlossene Kinderheim Bad Ems in ein Erholungs- und Genesungsheim für Kantoren, Prediger und Lehrer umzuwandeln. — Ein Antrag, einen Stipendienfonds für Studierende sowie für Handwerker zu schaffen, wurde bis zur Beendigung der mit Vertretern der jüdischen Studierenden schwebenden Verhandlungen zurückgestellt. In Bezug auf die Dienstanweisung für die Gefangenen-Seelsorge und -Fürsorge wurde darauf hingewiesen, daß in diesem Jahre der Strafvollzugsgesetzentwurf und der Entwurf für Strafentlassenenfürsorge zur Annahme gelangen und unmittelbar danach die Landesausführungsbestimmungen erlassen werden. Diese Bestimmungen müssen so gestaltet werden, daß wir wirklich helfen können. Die Juden sollen sich mehr als bisher mit der sozialen Gerichtshilfe beschäftigen. Es wurde festgestellt,, daß in öffentlichen und privaten Anstalten sich die erschreckend große Zahl von 1088 Geisteskranken befinden. Die Gründung einer eigenen jüdischen Anstalt wird erfolgen müssen, sobald die Mittel dazu vorhanden sein werden. Einstweilen werden Schritte getan werden, um da, wo es möglich ist, eine geordnete Seelsorge zu schaffen. Damit schloß die arbeitsreiche Sitzung. 152

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