Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 8 (Februar 1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE ARBEITS- UNP WANDERFORSORGE Z Jahrg. FEBRUAR 1929 Nr. 8 AUFRUF ZUR SCHAFFUNG EINER JUDISCHEN ARBEITERKOLONIE Das deutsche Judentum hat sich in der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge das Organ geschaffen, das der Regelung der jüdischen Wanderung und ihrer Fürsorge in Deutschland dient. Nachdem die mannigfachen Organisationsformen der Vorkriegszeit, um die sich hervorragende Persönlichkeiten des deutschen Judentums lange Zeiten bemühten, durch den Krieg und seine Nachwirkungen ihr Ende fanden, ist es nunmehr der Hauptstelle in den wenigen Jahren ihres Bestehens gelungen, ein geschlossenes Netz von Landes- und Provinzialverbänden auf- und auszubauen, die die Fürsorge für alle jüdischen Wanderer innerhalb Deutschlands ausüben. Eine neue Form der jüdischen Wanderfürsorge hat damit begonnen: Derjüdische Mensch, der sich auf der Wanderung befindet, hat es nicht mehr nötig, sich von Gemeinde zu Gemeinde durch zuschnorren, er hat es nicht mehr nötig, in die Häuser zu gehen, um sichdie notwendigen Mittel für seinen Lebensunterhalt zu erbetteln. Jede Fürsorgestelle ist in der Lage, kraft der finanziellen Zusammenfassung aller Gemeinden ihres Bezirkes weitreichende Hilfsmaßnahmen zu ergreifen, Rechtsschutz zu erteilen, unmittelbare Beförderungen in die Heimat vorzunehmen, im Einzelfalle durch Verbindung mit dem jüdischen Arbeitsnachweis Arbeit zu beschaffen. Im Verlaufe der mehrjährigen Tätigkeit der Haupt stelle für jüdische Wanderfürsorge hat sich aber gezeigt, daß es eine Fülle von Menschen gibt, die sich ohne weiteres in den Prozeß des Wirtschaftslebens nicht wieder einordnen lassen. Für diese Menschen besteht heute keine andere Möglichkeit, als auf der Landstraße zu bleiben. 7000—8000 Juden wandern alljährlich innerhalb Deutschlands, ein Teil von ihnen befindet sich auf Arbeitssuche, ein anderer Teil will nach der Heimat reisen, andere wiederum warten auf Heimatspapiere, Staatenlose auf Regelung ihrer Staatsangehörigkeitsverhältnisse* 129