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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-10-01 · 4 (Oktober 1928) · page 17

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
4 (Oktober 1928)
Date
1928-10-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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ein Ende gemacht hat. Daß aber diese rückständige Verordnung seitens des Landesarbeitsamtes für Niederschlesien noch mit besonderer Schärfe gehandhabt wird, beweist der nachfolgende Fall, wo es sich allerdings nicht um billige polnische Landarbeiter handelt, die das Landesarbeitsamt in recht erheblicher Anzahl den schlesischen Gutsbesitzern zuweist, sondern nur um einen (!) einfachen jüdischen Handwerker. Die Firma K. & K. beschäftigt seit Jahren als Mützenmacher den polnischen Staatsangehörigen Z., der bereits seit 1920 in Deutschland ist, also nach dem Stichtag vom 1. Januar 1919 hierherkam, und benötigt daher hierfür die Beschäftigungsgenehmigung des Landesarbeitsamtes. Jahrelang hat das Landesarbeitsamt in Ermangelung gleichqualifizierter arbeitsloser inländischer Mützenrnacher diese Genehmigung erteilt. Im laufenden Jahre jedoch ist die Genehmigung jetzt bereits zum dritten Male versagt worden, und auch der Präsident des Landesarbeitsamtes hat bereits die Beschwerde verworfen. Der städtische Arbeitsnachweis Breslau ist, da überhaupt dort keine geeigneten Mützenmacher gemeldet sind, nicht in der Lage, der Firma eine Ersatzkraft zu stellen. Der Mützenmacher Z. nun bekommt als polnischer Staatsangehöriger seine Erwerbslosenunterstützung, kann aber der Firma K. & K. zur Arbeit nicht zugewiesen werden, da dieselbe nicht die Genehmigung zur Beschäftigung eines ausländischen unter zirka zehn einheimischen Arbeitern erhält. Difficile est, satyram non scribere! Was tun die Gewerkschaften, die im Ausschuß des Landesarbeitsamtes paritätisch vertreten sind, um das Unrecht gegen Z., der ihr Mitglied ist, gut zu machen?" Versammlung jüdischer Erwerbsloser in Frankfurt/Main Das Problem der jüdischen Erwerbslosigkeit ruft in immer größerem Umfange das Interesse der jüdischen Oeffentlichkeit hervor. In Frankfurt/Main hat der Verein ,Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden44 zum 6. September eine jüdische Erwerbslosenversammlung einberufen, um auch die Meinung der Arbeitslosen und ihre Vorschläge zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit zu hören. Die gut besuchte Versammlung wurde eingeleitet von den Referaten des Vorsitzenden und des Geschäftsführers des Vereins, in denen über die Bemühungen zur Schaffung von produktiven Arbeitsstätten sowie über die Schwierigkeiten der Arbeitsvermittlung, den Boykott der Arbeitgeber, über das Arbeitsrecht der Ausländer usw. berichtet wurde Die Diskussion brachte als Ergebnis folgende Anregungen: „1. Eine Versammlung der Arbeitgeber einzuberufen und ihnen die Not der jüdischen Erwerbslosen zu schildern, damit sie bei Vakanzen an die jüdischen Erwerbslosen denken 2. Ein Appell an die Kultusgemeinden, daß den Fragen der Arbeitslosigkeit mehr Interesse gewidmet wird. Die Aufforderung, bleich anderen Kultusgemeinden bei allen Ausführungen und Aufträgen die jüdischen Erwerbslosen in stärkstem Maße heranzuziehen. 3. Durch Schaffung von Arbeitsstätten und durch eigene Regiebetriebe den älteren Erwerblosen die Möglichkeit der Eingliederung in das Wirtschaftsleben zu geben." Schließlich wurde von den Arbeitslosen folgende Resolution angenommen: „Die am 6. September 1928 vom jüdischen Arbeitsnachweis einberufene Erwerbslosenversammlung jüdischer Arbeiter und Angestellten verschiedener Berufskategorien verlangt von den Israelitischen Gemeinden, daß sie ihre isynagogal-kulturellen Ausgaben einschränken und die hierdurch frei werdenden Mittel den jüdischen Arbeitslosen zur Verfügung stellen, um dadurch Produktivierungsstätten und sonstige Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen.14 Wenn auch die Anregungen der Erwerbslosen keinerlei neue Vorschläge enthalten, so scheint doch der Frankfurter Versuch, die Erwerbslosen zur Mitarbeit an der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit heranzuziehen, begrüßenswert und aussichtsvoll. Kaufmännischer Stellenmarkt im ersten Halbjahr 1928 Kaufmännischer Stellenmarkt und Wirtschaftslage verhalten sich wie 65

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