Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 4 (Oktober 1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DAS FREIZEITPROBLEM DER JÜDISCHEN ERWERBSTÄTIGEN JUGEND VON DR. GEORG LUBINSKI, BERLIN Es ist jetzt ungefähr ein Jahr her, daß das Interesse der Öffentlichkeit auf das große volkshygienische Problem der Freizeit der Jugend durch die Ausstellung „Das junge Deutschland" gelenkt worden ist. Die Ausstellung, die auch eine für Berlin sehr große Zahl von Besuchern gefunden hat, und die einen halb offiziellen Charakter dadurch gehabt hat, daß sie sehr stark von den Reichs- und Landesbehörden unterstützt worden ist, hat das ihr gesetzte Ziel: Die Einführung des unbeschränkten Achtstundentages und die Gewährung eines ausreichenden Urlaubs für alle Jugendlichen nicht erreicht, obgleich sich hinter diese Forderung die Jugend aller politischen Richtungen gestellt hat. Auf der Ausstellung hat das Freizeitproblem der jüdischen Jugend eine besondere Darstellung nicht gefunden. Es gab wohl eine, vom Reichsaasschuß der jüdischen Jugendverbände geschaffene, besondere Koje der jüdischen Jugendbewegung, die die verschiedenen Richtungen außerhalb der jüdischen Jugend zum Ausdruck bringen sollte, es entsprach aber nicht dem Ausstellungsplan, das Freizeitproblem einzelner Gruppen der Jugend gesondert zur Darstellung zu bringen; es wäre andererseits auch kaum möglich gewesen, in der knappen Sprache der Zahlen oder sonstiger statistischer Angaben etwas über diese Frage bei uns auszusagen, weil hier wie an sehr vielen Stellen irgendwelche zuverlässigen statistischen Aufzeichnungen fehlen. Die Furcht vor dem Fragebogen, die gleicherweise auf der Seite der Versender wie der Empfänger besteht, hindert immer wieder an einer zuverlässigen Erfassung unserer Sonderprobleme, soweit sie überhaupt durch Zahlen darzustellen sind. Wenn auch zugestanden werden muß, daß die nachfolgenden Ausführungen der statistischen Unterlagen entbehren, so stützen sie sich andererseits auf eine ziemlich genaue Kenntnis des jüdischen Jugendlebens in Deutschland, so daß ihnen insofern — wie der Verfasser hofft — ein gewisser Wirklichkeitsgehalt zukommt. Wie bei der Darstellung aller jüdischen Fragen der Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege hat man sich zunächst Rechenschaft darüber zu geben, ob denn die behandelte Frage fruchtbar unter dem Aspekt des „Jüdischen" zu betrachten ist, ob denn ein jüdisches Sonderproblem vorhanden ist. Die Antwort kann hier wie bei den meisten Fragen dieser Art nur die sein, daß es zu einem kleinen Teil ein jüdisches Sonderproblem gibt, daß es sich sonst um das allgemeine Problem handelt, verändert nur durch die eigentümliche soziologische Lage der Juden in Deutschland. Das spezifische jüdische Sonderproblem bei der Frage der Freizeit ist gegeben bei demjenigen Teil der jüdischen Jugend, der am Sonnabend nicht arbeitet und dafür gewöhnlich am Sonntag 51