Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 10 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2709108-2709109-2709118--227-2709409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sorge für Arbeitsfähige, die Berufsfürsorge für berufsschwache männliche Jugendliche, die Berufsfürsorge für erwerbslose Jugendliche und die Verwertung der Arbeitskraft in den Anstalten der öffentlichen Fürsorge. Der nunmehr gedruckt vorliegende Bericht gibt ein anschauliches Bild von der bchwierigkeit und Vielfältigkeit des behandelten Gegenstandes. Der Sinn der Tagung kommt erst durch den gedruckten Bericht voll zum Ausdruck. Der Bericht ist deshalb von so außerordentlicher Wichtigkeit, weil zu dem Problem der Arbeitsfürsorge von den verschiedensten Seiten her Stellung genommen worden ist. Von seiten der Verwaltung ebenso wie von seiten des Arbeitsnachweiswesens und der öffentlichen und privaten Fürsorgeorgane. Aus diesen Gründen wird niemand, der sich mit der Frage der Arbeitsfürsorge ernsthaft beschäftigt, an der Veröffentlichung des Vereins vorbeigehen können. Für die Vertreter des caritativen Arbeitsnachweises war die Rede von Professor Klumker, Frankfurt a. M. (S. 25) von besonderem Interesse. Klumker wies auf die Grenzen jeglicher Fürsorgeorganisation hin und warnte davor, das Zauberwort der Organisation als Allheilmittel zu betrachten. Die caritative Arbeitsnachweisbewegung ist in ahrer Eigenart von ihm voll gewürdigt worden: „Das Arbeitsamt wird niemals in der Lage sein, Fürsorge im Einzelfall zu treiben in dem Sinne, wie wir es in der Erfassung der Gesamtpersönlichkeit des Bedürftigen für unsere Pflicht halten. Wir dürfen uns der Tatsache nicht verschließen, daß die strenge Durchführung amtlicher Arbeitsvermittlung, das Monopol der Arbeitsämter einen großen Teil der Menschen erst schütz- und fürsorgebedürftig macht, über die wir in diesen Tagen reden. Die Arbeitssuche durch Umfrage, die Vermittlung durch Verwandte, Bekannte, durch irgendwelche Beziehungen, die auch jeder Erwerbsschwache hatte und hat, halfen gerade ihnen immer wieder zu einer Beschäftigung, die ihnen der wohlorganisierte Arbeitsnachweis durch Gerechtigkeit und Gleichheit raubt. Es gab und gibt zahllose Formen der Arbeitsvermittlung für diese Berufsschwachen neben der offiziellen Arbeitsvermittlung. Gerade die freien Vermittlungen erfassen den größeren Teil der Berufsschwachen, die sonst organisatorisch gar nicht zu erfassen gewesen wären. Nur in sehr beschränktem Maße wird der Arbeitsnachweis ihnen das ersetzen können, was die uferlose Organisation ihnen nahm und noch weiter nimmt." Die Verhandlungstagung wurde eingeleitet durch ein Referat von Frau Dr. Frieda Wunderlich über „Die Arbeitsfürsorge für hilfsbedürftige Personen vom Standpunkt der Wirtschaft und der Wohlfahrtspflege." Dieses Referat muß als grundlegende Einleitung für jede spätere Diskussion dieser Frage betrachtet werden. Frau Dr. Wunderlich hat es in ausgezeichneter Weise verstanden, die Zusammenhänge der Fragen der Arbeitsfürsorge und der Wirtschaft zu erhellen. Wenn sie allerdings glaubt, durch ethische Forderungen die Wirtschaft zur Verantwortung für die richtige Verwendung der Menschenkraft und damit zum entscheidenden Faktor der Arbeitsfürsorge zu erziehen, so ist damit ein Weg beschritten, der einmal nicht neu ist, andererseits bisher irgendwelche Erfolge für sich nicht zu buchen vermochte. Eine Einheit von kapitalistischer Wirtschaftsform und ethischer Forderung wird nicht herzustellen sein. Kr. BÜCHEREINGÄNGE Handbuch des Fünften Wohlfahrtsverbandes, Herausgegeb. von Professor L. Langstein und Dr. O. v. Hohlbeck (Verlag Hans Robert Engelmann, Berlin). Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1927 (Verlag M. Poppelauer, Berlin). Michels, Robert, Sittlichkeit in Ziffern? Kritik der Moralstatistik. (Verlag Duncker & Humblot, München.) Storck, Die ausländischen Minderjährigen im deutschen Jugendrecht (Archiv deutscher Berufs Vormünder Frankfurt a. M. ), 212