Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 10 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE ARBEITS¬ UND WANDERFORSORGE 1. Jahrg. APRIL 1928 Nr. 10 PROBLEME JÜDISCHER ARBEITSLOSIGKEIT Die Fragen der jüdischen Arbeitslosigkeit rücken erfreulicherweise immer mehr in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Die verschiedensten Institutionen bringen den Problemen der Verdrängung jüdischer Arbeitskraft aus der allgemeinen Wirtschaft immer größeres Interesse entgegen. Es finden Konferenzen statt. Kommissionen werden gewählt, und Erhebungen sollen angestellt werden. So wichtig die rhethorische und schriftliche Auseinandersetzung mit den in Frage stehenden Problemen auch sein mag, so notwendig auch Erhebungen zur gegenwärtigen Wirtschaftssituation der Juden und zur Feststellung der Erscheinungen sind, die die Verdrängung vom Arbeitsmarkt zu einer Massenerscheinung werden lassen, sie alle können die momentane Not der jüdischen Arbeitslosigkeit nicht lindern. Die einzige Institution aber, die zur Linderung auch der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitnehmern berufen ist, und die unentwegt diese Aufgabe erfüllt, führt einen schweren Kampf um ihre Existenz. Der jüdische Arbeitsnachweis, zweifellos heute die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit unter den Juden, hat immer noch nicht jene Bedeutung im Leben der Gemeinden und der jüdischen Gemeinschaft erlangt, die ihm im gegenwärtigen Moment und in der Zukunft zukommt. Die wenigen leistungsfähigen Arbeitsnachweise, die bereits bestehen, kämpfen um ihre Existenz. Finanziell nicht gesichert, von den jüdischen Organisationen und Gemeinden wenig beachtet, sind sie zumeist in ihrer Existenz von der Arbeitsleistung einer kleinen Gruppe von Menschen abhängig, die die Bedeutung der Arbeitsnachweise für die jüdische Gemeinschaft erkannt haben und mit all ihren Kräften für die Erhaltung und den Ausbau dieser Einrichtungen wirken. Während ein Teil der Arbeitsnachweise, die anerkannt gute und nützliche Arbeit leisten, schwer um ihre Existenz ringen müssen, sind die Schwierigkeiten, die der Gründung von neuen Arbeitsnachweisen, selbst in den Großgemeinden, entgegenstehen, fast unüberwindlich. 197