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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-03-01 · 9 (März 1928) · page 5

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
9 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Was beweisen alle diese Zahlen? Können wir nach allem, wa$ gesagt worden ist, plötzlich zu dem Ergebnis kommen, daß das Emigrationsbedürfnis der Juden in Polen sich verringert hat? Nein! Für ein derartiges Ergebnis fehlt jeder theoretische und praktische Beweis. Wenn wir die gebrachten Zahlen genau betrachten, fällt auf, daß der Prozentsatz der jüdischen Auswanderung im Verhältnis zur allgemeinen Auswanderung in der Tat kleiner geworden ist, aber dies erklärt sich nicht daraus, daß die jüdische Emigration aus Polen sich absolut verkleinert hat, sondern daß sie relativ kleiner geworden ist: Die polnische und ukranische Auswanderung steigt dauernd, inbesondere nach Kanada, Argentinien und Brasilien, sie hat prozentual bereits die jüdische Auswanderung überschritten. Wenn wir mit dem Jahre 1925 beginnen und aus der Rubrik ..jüdische Auswanderung4' die Ziffern nach Palästina ausscheiden, die wir jetzt bereits objektiv als eine außergewöhnliche Erscheinung ansehen können, ergibt sich für die letzten 2X> Jahre ein anderes Bild. Im Jahre 1925 wanderten nach überseeischen Ländern außer Palästina: 11 225 Juden, im Jahre 1926: 15 697 und in der ersten Hälfte des Jahres 1927: 7612, d. h., daß im Rahmen der begienzten Möglichkeiten die Zahlen der jüdischen Auswanderung nicht sinken, sondern im Gegenteil dauernd eine steigende Tendenz zeigen. Interessant und wichtig ist im Zusammenhang damit ein Vergleich innerhalb der Rubrik „Andere Länder", in der auf die Juden im Jahre 1926: 74%, in der ersten Hälfte des Jahres 1927: 69% entfallen. Was bedeuten diese hohen Prozentziffern? Sie zeigen deutlich, daß die Juden jede, auch nur die geringste Möglichkeit zur Auswanderung benutzen, und daß sie in jede Lücke, die für Auswanderung noch offen ist, eindringen. Wir wissen dies auch aus den letzten VA Jahren, in denen die jüdische Auswanderung plötzlich nach Australien, Uruguay, Peru, Chile, Mexiko. Kuba, Ferner Osten, teilweise sogar nach Venezuela und Columbia geht. Mit einem Worte überallhin, wo sich der jüdischen Einwanderung nur irgendwelche Möglichkeiten eröffnen. Und dies ist kein Wunder, denn wenn die Behauptungen der polnischen Forscher zutreffen, daß selbst bei den besten wirtschaftlichen Bedingungen die ganze Bevölkerung Polens sich ohne bedeutende Auswanderung nicht helfen kann, so trifft dies doppelt für die besonders verarmte und nach allen Hinsichten benachteiligte jüdische Bevölkerung ZU. Ersldruck in „Jüdische Emigration», Berlin 177

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