Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 8 (Februar 1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Abschiebung ausgewiesener Ausländer aus Preußen Der Minister des Innern gibt in einem Runderlasse (30. Dezember 1927 — III E 693) bekannt, daß die Abschiebung ausgewiesener Ausländer ohne Paß-Papiere nicht durchgeführt werden kann. Er gibt Mitteilung von den Klagen der Regierungspräsidenten in Stettin und Oppeln, die von den verschiedensten Polizeibehörden mit der Abschiebung paßloser polnischer Staatsangehöriger befaßt werden. Durch die PanlosigKeit ist sehr oft die nochmalige Inhaftierung solcher Ausländer, mitunter sogar ihr Rücktransport notwendig. Der Minister des Innern ersucht deshalb alle in Betracht kommenden Polizei-Verwaltungen, Ausländer zum Abschub an die Grenze nur dann zu überweisen, wenn sie im Besitze der für die Uebernahme durch ihren Heimatstaat erforderlichen Papiere sind. Russische Staatsangehörige sind ausdrücklich dem Polizei-Präsidenten in Stettin zu überweisen. ORGANISATION Ausbau der badischen WanderfUrsorge Am 23. Januar fand in Freiburg/Br. auf Veranlassung der Provinzialkasse Baden der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge eine Aussprache der badischen Grenzgemeinden über Regelung der Wanderfürsorge im Grenzgebiet, insbesondere über Zusammenarbeit mit der Wanderfürsorge der jüdischen Gemeinden in der Schweiz statt. Neben den Vertretern der Grenzgemeinden waren auch die Vertreter der jüdischen Gemeinden in Basel und Zürich erschienen. Der Vorsitzende der Provinzialkasse Baden, Herr Rabbiner Dr. Oppenheim - Mannheim, eröffnete die Beratung und wies einleitend auf die Bedeutung der Wanderfürsorge im Grenzgebiet und auf die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit den Schweizer Gemeinden hin. Im Anschluß daran referierte der Vertreter der Hauptstelle, Adler-Rudel- Berlin, über die bisherige Entwicklung der jüdischen Wanderfürsorge und über den Zusammenhang, der zwischen dieser und den allgemeinen jüdischen Emigrationsproblemen besteht. Nach einer lebhaften Aussprache, an der sich fast alle Teilnehmer beteiligten, wurde in Uebereinstimmung mit den Vertretern der Schweizer Gemeinden beschlossen, die Wanderfürsorge an der badisch-schweizerischen Grenze derart auszubauen, daß Unterbrechungen an der Grenze überflüssig werden. Die Vertreter der Schweizer Gemeinden erklärten sich zu engster Zusammenarbeit mit der badischen Provinzialkasse und der jüdischen Wanderfürsorge Deutschlands bereit. Die Beschlüsse der Freiburger Konferenz bedeuten einen Schritt weiter auf dem Wege zur Vereinheitlichung der jüdischen Wanderfürsorge in Europa, die von der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge in Deutschland angestrebt und neben dem Abkommen mit der Schweiz bereits früher zu Vereinbarungen mit der Tschechoslowakei und Oesterreich geführt haben. BÜCHERSCHAU Jahrbuch der Caritaswissenschaft Herausgegeben von Dr. Franz Keller, Verlag des Instituts für Caritaswissenschaft, Frei bürg i. Br. 1927 Im Jahre 1925 wurde das erste wissenschaftliche Forschungsinstitut des Caritasverbandes im Anschluß an die theologische Fakultät der Freiburger Universität gegründet. Der Bericht über das erste Arbeits.] ahr liegt nunmehr vor. Er zeigt, in welch kurzer Zeit (allerdings unter staatlicher Mithilfe) es das Institut verstanden hat, ganz erstaunliche Arbeit zu leisten. In praktischer und noch mehr in theoretischer Hinsicht. Studenten verschiedener Fakultäten wurden in einjährigem, seminaristischen Kursus eine systematische wohlfahrtspflegerische Durchbildung geboten. Daneben wurde eine Fülle öffentlicher Vorträge und Studientagungen veranstaltet. Um die theoretisch wissenschaftliche Durcharbeitung des Gesamt gebietes der Wohlfahrtspflege zu ermöglichen, wurde der Grundstock zu einer bibliographischen Kartei mit anfänglich 8000 Karten gelegt. (Die ausführliche und ausgezeichnete Nomenklatur ist im Jahrbuch veröffentlicht.) Des weiteren bringt das Jahrbuch eine Uebersicht über die in den Jahren 1925/26 erschienene fürsorgerische und sozialpolitische Literatur. Diese Bibliographie (selbstverständlich unter Berücksichtigung, daß sie vom katholischen Standpunkt und unter spezifisch katholischen Gesichtspunkten zusammengestellt ist) kann dem Wissenschaftler manch wichtigen Dienst erweisen. Der 171