Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 5 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE ARBEITS¬ UND WANDERFORSORGE 1. Jahrg. NOVEMBER 1927 Nr. 5 „ARBEIT" VON EUGEN CASPARY, BERLIN Als im Jahre 1798 der Reverend Thomas Robert Malthus seinen sensationellen „Versuch über das Gesetz der Bevölkerung44 sehrieb, kam er zu dem Schluß: Jede Art von Wohlfahrtspflege und von sozialer Fürsorge ist verderblieh. Denn, weit davon entfernt, das Elend der unteren Klassen zu mildern, verewigt sie vielmehr, vermehrt und fördert das Elend, indem sie Menschen künstlich am Leben erhält und ihre Fortpflanzung ermöglicht, die die Natur selbst dazu bestimmt hat. im Kampfe ums Dasein unterzugehen. Die Bevölkerung hat die Tendenz, sich stärker zu vermehren, als der Nahrungsmittelspielraum wächst — also muß es ständig Menschen geben, die von Natur aus überzählig sind und bestimmt, wegzusterben. Hilft man — entgegen der deutlichen Absicht der Natur und entgegen dem Grundsatz der „natürlichen Zuchtwahl", nach dem nur der Stärkste leben bleiben soll — dieser Menschenschicht, so kann man ihr doch nur ein kümmerliches Dasein bieten und schädigt alle übrigen, schädigt die Gesellschaft, der man die unproduktiven Elemente aufnötigt. Nun, — wir Juden, die wir die soziale Fürsorge von einem religiösen und sittlichen Standpunkt aus betreiben, die wir nicht einem ökonomischen, sondern einem ethisch-charitativen Impulse folgen, wenn wir Sozialpolitik treiben, — wir müssen jene naturalistische, ganz und gar amoralische, vom jüdischen Standpunkt aus sogar unmoralische Lehre des Reverend Malthus, die die Rechtfertigung der ärgsten Auswüchse des wirtschaftlichen Egoismus, des sogenannten Manchestertums darstellt, ablehnen. Tatsache ist aber, daß der theoretische und praktische Malthusianismus in weitesten Kreisen der Wirtschaft und auch in jüdischen Kreisen der Wirtschaft nur allzu verbreitet ist. Tatsache ist aber auch, daß die Lehre des Malthus für die soziale Fürsorge, sofern sie in großzügiger Weise betrieben werden soll, von der größten Bedeutung ist. Sie enthält den richtigen Kern, daß das Verteilen von Geldern an Arme, die unproduktive Fürsorge, das Almosengeben an Bettler tatsächlich den Armen nicht hilft und die Gesamtheit schädigt. Das braucht an dieser Stelle nicht mehr ausgeführt zu werden. Die Erkenntnis, daß unproduktive Fürsorge 85