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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 54

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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Außerdem habe ich in meinem ExposS gesagt, daß wir an Betriebskapital und notwendigen Geldern zur Intensivierung des Betriebes 100 000 Mark benötigen. Für die Intensivierung des Betriebes, die sich größtenteils auf Arbeiten bezieht wie Umbrucharbeiten, Wegebauten, Drainagelegen etc., bei welchen ebenfalls ungelernte Arbeiter Beschäftigung finden können. Aus Gesagtem ergibt sich zusammenfassend, daß wir zu Beginn ca. 15 Leute in die Stammarbeiterschaft aufnehmen können, in wenigen Wochen aus dem Kreis der Befähigten weitere 10—15 unter die Stammarbeiter zu bringen in der Lage sein werden, so daß wir auf eine Gesamt-Stammarbeiterschaft von 50 Leuten ca. 25 Wanderer dauernd werden beschäftigen können. Weiter können wir, wenn Beträge zur Intensivierung, wie gesagt, zur Verfügung stehen, von Anfang an 10—15 Ungelernte beschäftigen und als Saisonarbeiter in der Hauptsache vom Frühjahr bis Herbst ca. 25 Leute. Wir können also schon im ersten Jahr mit einer Beschäftigung von 25 Stammarbeitern und 15 Arbeitern bei Ameliorationen rechnen, zu welchen in den Sommermonaten weitere 25 in der Landwirtschaft ganz Fremde hinzukommen. Die Zahl der Beschäftigten würde sich vergrößern, wenn im Betrieb, der erworben ist, Nebenbetriebe vorhanden sind oder in Anpassung an die Möglichkeiten des Objektes und bei Bereitstellung von Mitteln hierfür neu eingerichtet werden. In diesem Zusammenhang bleibe nicht unerwähnt, daß bei bestimmten Möglichkeiten, insbesondere der Lage des Objektes zu seinem entsprechenden Absatzmarkt und natürlich der geeigneten Qualität des Bodens, die Nutzung des Bodens in gärtnerischer Richtung eine fast willkürliche Vermehrung von Arbeitskräften zuläßt, so daß, wenn genügend Mittel zur Verfügung stehen, auf relativ kleinen Flächen sich sehr respektable Mengen von Arbeitern unterbringen lassen. Diesen Prozeß würde man allerdings der nächsten Zukunft überlassen, um vorerst mal festzustellen, in welchem Maße sich unsere Wanderer in der Landwirtschaft bewähren, und welches Kapital notwendig ist, um bei Beachtung der Rentabilität größere Mengen von unseren Leuten beschäftigen zu können. Bemerkungen über die Wanderarbeiterheime Lobethal und Hoffnungsthal auf Grund der Zusammenstellungen von Herrn Pastor Dr. Braune, Geschäftsführer des Deutschen Herbergsverein. Die Anstaltsgüter Lobethal und Hoffnungsthal umfassen ca. 1400 Morgen, davon 880 Morgen PachÜand. Bei intensiver Wirtschaft würden die Güter pro Morgen je einem Mann Beschäftigung geben. Die landwirtschaftliche Abteilung Lobethal wird geleitet von einem diplomierten Gartenbauinspektor, der zugleich durchgebildeter Landwirt ist; ihm zur Seite stehen auf je 14 Pfleglinge eine beamtete Kraft. Diese Beamten sind teilweise landwirtschaftlich vorgebildete Diakonen, die sich die Arbeit in den Anstalten der Inneren Mission zur Lebensaufgabe gemacht haben. Die Leitung des Anstaltsbetriebes untersteht einem Hausvater, der von den Verwaltern der einzelnen Unterkunftsheime unterstützt wird. Die Unterkunftsheime sind barackenähnliche Steinbauten, deren Prinzip es ist, jedem Pflegling einen abgeschlossenen Raum zu geben. Demgemäß sind die großen Schlafsäle in kleine Kabinen eingeteilt. Jedes Haus hat außerdem noch einen Aufenthaltsraum. Der gemeinsame Speise- und Andachtsraum befindet sich im Hauptgebäude. Die augenblickliche Belegschaft beträgt 400 Mann, doch sollte sie in den nächsten Tagen um weitere 50 Mann erhöht werden. Diese 400 Mann bearbeiten 900 Morgen Ackerland und 200 Morgen Gärtnereibetrieb. Daneben werden größere Stücke neugekauften Landes urbar gemacht. Die Wirtschaft umfaßt des weiteren eine Tischlerei, Schneiderei, Schuhmacherei, Buchbinderei, Schlosserei, Schmiede, Malerei, Klempnerei und Korbflechterei. Ein Teil der Belegschaft ist in der Küche, ein anderer in der Wäscherei beschäftigt. Das Verhältnis der ungelernten Arbeiter zu den gelernten ist 4 : 1, d. h. es wird möglichst darauf gesehen, daß 4 ungelernten eine gelernte Kraft beigegeben wird. 10—15 Mann unterstehen stets einem Rottenführer, dem Diakon, der gleichzeitig Vorarbeiter ist. — 54 —

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