Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 8-10 (5.1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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BLAU-WEISS-BLÄTTER FÜII KERZE ITUtfG BEßAUSGEGEBEN TON DER BüHDESLEITÜNG ö. JÜDISCHEH WANDERBÜNDE BLAU TTEIS8 Hat-Juli 1921 ♦ Jahrg. II des Führerheftes ♦ Heft 8 — 10 BRESLAUER HEFT Vom Sehen in der Natur. Indes mich wandernd durch, die Weiten Des Seins Unendlichkeit ergreift, Indes mein Geist Vergangenheiten Und Zukunft angenblicks durchschweift Eint sich das unermessne Viele Der Schmelzen ungebärd'ger Schwall Gebändigt zu dem einen Ziele Aus allen Dingen wird das All* Da spür ich Leben rings empfahen Von neuem Atem Feld und Wald Und alles Ferne will sich nahen Und alles Nahe nimmt Gestalu Das aber ist des Wunders Fülle Wie Eines sich in Alles zweigt Ans Rätsels Haft gelöster Hülle Ein neues Rätsel fruchtbar steigt 1 Das Sehen in der Natur scheint im Grunde die einfachste Sache von der Welt zu sein: man freut sich wandernd des Wechsels der Landschaft, man *teigt auf die Berge und genießt die schöne Aussicht. Und so sehr die Kunst **ch sorgsamster Aiheit in allen Einzelheiten verlangt, um sehen zu lernen, so unmittelbar und mühelos scheint die Landschaft ihre Schönheit dem Auge » erschließen. Trotz dieser Unterschiede hat das Werk der Malerei mit dem Landschaftshilde vieleilei gemein; nicht unriebtigerweise bezeichnen wir beides *ls Bild, denn hier, wie dort steht ein betrachtendes Ich einem als schön zu Beurteflendem gegenüber. Aber während bei einem Gemälde ohne weiteres ^rsiebüg ist, aus welchen Gründen das eine Dargestellte: der Baum, der Mensch otet das Gebäude sich mit dem andern zu einem malerischen Ganzen zusammenabließt, da es ja die Phantasie eines Künstlers so fügte, ist vom Landscbaftsfcöde eigentlich gamicht verständlich, wie es komme, daß Baum und Fluß, wiese und Berg und Straße und Dorf sich ebenfalls zu einer bildhaften Einheit ergänzen, ja, was noch wunderbarer ist, daß es gar keine schlechthin unschöne Utdschaft gibt, während wir doch unzählige Bilder, denen diese Einheit mangelt, « wertlos verdammen müssen.