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Blau-Weiss-Blätter · 1921-03-01 · 6-7 (3.1921) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
6-7 (3.1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 99 (sequence 5)
Language
German
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-d^Ji^dätHnl, der „Gesellschaft* den „Urwald" zugänglich zu machen. Das Boy Seöat Leben ist ein Leben, das zu solchem Pioniertum vorbereitet. Nicht das schemenhafte Ideal des Tugendausbundes oder der Typus des durchgebildeten geistigen Menschen geben ihm Richiung, sondern ein Mensch, der hart arbeiten und Schlimmes ertragen kann. An der Wirklichkeit des englischen Weltreiches ist diese Erziehung orientiert, die das Glück hat, in sich auch dem Willen der Jugend entgegenzukommen. Die Formen, in denen das Leben der Boy Scouts sich abspielt, sind straff bestimmt. Die Boy Scouts tragen eine Uniform und einen Stab, haben einen feierlichen Eid bei der Aufnahme zu schwören und zehn „geschriebene" Göseize zu halten und zu bewahren. Jeder Junge durchläuft gemäß der Zunahme seiner Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten Rangstufen, die durch Abzeichen voneinander unterschieden sind. Auch die Länge der Dienstzeit wird durch* Sterne an der Uniform angemerkt. Für das Leben im Lager gibt es genaue und genau innegehaltene Vorschriften; selbst Kriegsgesänge und Tänze sind im Einzelnen ebenso festgelegt wie die Unsumme der praktischen Tätigkeiten und Leistungen. Die Bestimmtheit der Formen hat neben der leichten Verwendbarkeit für jeden, der es unternimmt, Jungen heranzubilden, vor allem den Sinn, einen starken Gemeinschaftsgeist unter den Jungen zu entwicklen. So seltsam es uns klingt, Uniform und Drill sind hier nicht Zeichen einer mechanischen Einförmigkeit der Erziehung, sondern der lebendigen Vielheit einer Gemeinschaft. Daß die straffe Ausbildung von ganz anderen als militärischen Gesichtspunkten geleitet ist. muß schon ganz klar geworden sein. Baden-Powell geht an mehr als einer Stelle auf den Vorwurf des Militarismus ein, den man ihm gemacht hat. Schon deshalb verwirft er ihn, weil er „für den Jungen keinen sichtbaren Gegenstand hat und daher geeignet ist, ihn mutlos zu machen". Sein stärkster Grund aber ist auch der unsere: Nicht an die Masse, sondern an den Einzelnen soll sich die Boy Scout Erziehutfg wenden. Der Einzelne soll von Kenntnis zu Kenntnis aufsteigen, sich über seine Fortschritte in Prüfungen ausweisen und nicht ruhen, bis er neben der Erfüllung allgemeiner Forderungen sich um das Wissen in ganz bestimmten Gebieten bemüht. Für die Lösung der Aufgaben, die für Jedes Gebiet festgelegt sind, erhält der Bewerber ein Bewährungszeichen, ein „proficiency badge". „Die Idee,* die der Zuerkennung der verschiedenen Badges for scouting zugrunde liegt, ist die, dem jungen Scout fortdauernd Anstöße zu geben, sich selbst zu vervollkommnen", schreibt Baden- Powell in den „Yarns*; es ist sehr interessant, was er fortsetzend über die Qualität der Bedingungen (Tests) mitteilt. „Scoutmasters und Prüfer sind geneigt, die Prüfungsnorm recht hoch zu machen, um tatsächliche Rekorde zu erzielen. Aber das ist ein Fehler. Es würde ganz richtig sein, wenn unsere Aufgabe darin bestände, einen Scout von Höchstleistungen heranzubilden, aber das ist nicht unser Ziel. Die wahre Einstellung auf unsere Bewegung besteht darin, jed^m einzelnen Jungen etwas von dem Gedanken einzuträufeln und ihn auf jede mögliche Weise in ihm zu. entfalten und zu nähren, sich selbst auszubilden und zu vervollkommnen. Wenn die Anforderungen zu schwierig sind, wirst du, obwohl du dadurch einige wenige glänzende Jungens zu hochfähigen Scouts heranbildest, eine große Zahl anderer, die einem stumpferen und mehr durchschnittlichen Typus angehören, einschüchtern und in sie die Keime zu Hoffnungs- 99

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