Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 6-7 (3.1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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die mit gleicher Folgerichtigkeit von keinem zweiten Volk erreicht wurde; der Typus des „Gentie-Man" ist auch das Idealbild, unier dessen Herrschaft die englische Jugendbewegung, die Boy Scout Bewegung, steht. Als gentleman bezeichnet Baden« Powell aber nicht „was möglicherweise einer der kleinen Seouls darunter versteht, nämlich einen Burschen mit Geld, feinen Manieren und mit nichts sonst, was ihn empfiehlt*. Mit gentleman meict er 8einen Mensehen, der ritterlich und männnlich ist". Diesem Typus soll jeder Boy Seoul nacheifern; denn zu ihm erziehen heißt zu good citizenship. zum tätigen „Bürger* erziehen, der vom „bourgeois" ebensoweit als vom preußischen Offizier, aber auch vom Wandervogel entfernt ist. Alles, was im Alltag des praktischen Lebens gewußt und gekonnt werden muß, soll vom Boy Scout gewußt und gekonnt werden, damit er „allzeit bereit" ist, immer Be Prep ar ed. Dabei kommt es in der Ausbildung weniger auf das Wissen und Können selbst als "auf die Ausbildung des Charakters durch Wissen und Könr en an, auf Geistesgegenwart, Entschlossenheit urd Selbstlosigkeit, die einen jeden dazu befähigen bei allen Vorfällen, handele es sich nun um einen Unfall oder um Lebensrettung, hilfreich einzuspringen. (To deal with accidents.) Alles, was das Bestehende schädigen, könnte, Verb/echer oder Hausbrand, soll vom Boy Scout bekämpft werden, indem er die Aufgaben der Polizei .und des Detektivs oder der Feuerwehr übernimmt; an jedem Tage, das Bestehende zu beft sögen» aber täglich ein gutes Werk zu verrichten (to do a.good turn) wird ihm zur Pflicht gemacht Dia Boy Scout Bewegung gründet sich in Staats-Erziehung und gipfelt in ihr. Und die Staatserziehung ist die nationale Erziehung. II. „Die Aufgabe des Erziehers besteht, einzig und allein darin, im Jungen den Ehrgeiz zu-erwecken, für sich zu lernen."". . ~ •*■-*'■. ' Die Arbeit der Boy Seouls gliedert sich in Lernen und Spielen, wobei das Spiel mit dem Gelernten in ständigem Zusammenhang, selbst in Wechselbeziehung miteinander steht. „Clu^raum*, Spielplatz und Lager sind die Orte, an denen diese Arbeit vollbracht wird. An die Kräfte der Jungen selbst wird angeknüpft, und ihre Phantasie, die sie Indianer spielen läßt und zum Leben in freier Luft (open life) in Verbindung mit Titren und Pflanzen hingeneigt macht, wird gestützt und zur höchsten Steigerung entfaltet Es gibt sogar Strömuqgen in der Boy Seoul Bewegung, die das Iodianer-Spielen beinahe in eiir Indianer - Sein zu verwandeln trachten (John HaTgrave »White Fox«, Tribai Training, London 1919), und weiter unten wird die Nachahmung des Lebens eines bilden Tieres in der Erziehung der Jüngsten dargestellt werden (Teil IV). Das Wort Scout bedeutet ursprünglich einen Indianer, der zu Späherdiensten angeworben wurde. Dieser romantische Zug in der englischen Jugendbewegung wird deshalb in ihr gepflegt, weil Erfahrung, Frische, Kühnheit, Mut und Geschicklichkeit in dieser Form tätigen Lebens am alltäglichsten sich bilden und entfalten. Und er wirkt sich noch im englischen Ideal männlicher Tätigkeit ausr im Pioniertum. „Pioniere*, so beißt es im Hauptwerk der Bewegung, am Anfang des Kapitels über Lagerleben, „Pioniere s nd Leute, die vornweg gehen, um für all die, die nach ihnen kommen, einen Weg in den Dschungeln oder sonstwo zu bahnen*. Initiative, Anführen, Können verbindet sieh hier mit Kultivieren» 98