Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 4-5 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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reinigten zwar die Luit, aber sie führten zu keiner Neuwerdung. Man kann nicht einfach dekretieren, wenn alle Grundlagen fehlen l Und die fehlten doeli ganz empfindlich. Wo waren denn die Führer, wo mit ihnen die Frische zu arbeiten und die Ideen wie zu arbeiten? Inzwischen waren allerdings die alten Führer aus dem Felde nach Hause gekommen. Aber die wenigen» die dem Bund nicht entfremdet waren, sahen unter dem Druck ihres Erlebens das Leben des Bundes mit ganz andern Augen als früher. Aus den Widersprüchen, die scheinbar nicht zu lösen waren, und die durch den Ausbruch der Revolution nicht nur bei ihnen verschärft wurden, sondern bei den Aelteren überhaupt sich jetzt zu regen begannen, fand man nicht heraus. Diese Wirkung der äußeren Ereignisse, Krieg und Revolution, hatten sich überall ähnlich abgespielt Aber bei dem ungesunden Zustand des Breslauer Bundes war sie verhängnisvoll. Die Menschen, die in ihren Grundlagen erschüttert waren, hielten den Blau-Weiß in den seinen erschüttert und glaubten, daß nichts mehr von ihm zu erwarten sei. Gegen die Wanderung wehrte man sich als „Bettiebmacherei* gegen den Hein: abend als „Veranstaltung". Wo sie sich nicht zu helfen wußten, hielten sie den Blau-Weiß für hilflos und maßen so ihm eine Schuld zu, die doch nur die ihre war. Geschehnisse solcher Ait ereignen sich in jedem Bunde, und die Unzufriedenheit, die so lange von einer Krisis sprach und, die unter der eigenen Ohnmacht leidend, eingreifenden Ereignissen gegenüber vielleicht wieder morgen oder übermorgen von einer Krisis sprechen kann, äußert sich in der gleichen Verkennung der Ursache in Vorwürfen gegen das Tiefste des Bundes. Man rüttelt an den Grundfesten, und doch ist es meistens nur so, daß die eigenen wanken. Der Fehler, das Leben des Bundesais gegeben hinzunehmen und nicht als eigene Aufgabe zu betätigen, anders» „hemmende" Ereignisse und Schwierigkeiten nicht als Stachel, sondern ab ewige Last zu verstehen, dieser Fehler verbirgt sich auch hinter dieser Situation. Nun/auf diese Weise wurde im Winter 1918/19 der Breslauer Bund nicht gerettet, sondern zersplitterte sich innerlich, um so mehr, als in persönlicher Zwietracht sich, wie Ihr das gut begreifen könnt, die Spannung der Einzelnen auslöste. Die Möglichkeit, einmal in einer -Führerschaft gemeinsam zusammen zu kommen und sich zu betätigen, schien allen absurd, und da auch die Züge kein inneres Leben bei einem solchen seelischen Zustand haben konnten, herrschte bis zum Frühjahr 1919 tiefste Depression. Wie konnte nun doch die Lage gebessert werden; wie war es doch möglich, daß der Bund zu neuem Leben und Blühen aufgeweckt wurdet Eines schönen Tages fand man, daß es nicht mehr so weiter gehen könne; aber mit dieser Bemerkung gab man sich nicht zufrieden. Man fand den Mut zu eiJcennen, und aus der Bewußtheit der Erkenntnis, daß von der eigenen Anstrengung und Kraft alles abhänge, entstand die Notwendigkeit sich zusammen zu finden, das Persönliche und Eigenbrödlerische zu überwinden und von vorn anzufangen. Durch diesen einen Augenblick, in dem man wieder die Aufgabe sah, entschied sich alles. Man setzte sich zusammen und fing an» von den primitiven und scheinbar längst gewußten Dingen wie Heimabend und Fahrt zu sprechen, wahllos noch und ungeordnet. Aber wo m^n mit neuer Frische an den Aufbau von Zügen ging und gleichsam zum ersten Mal auf alles aufmerksam wurde, strömten die 1 atsachen, Erfahrungen, aber auch die Gedanken 58