Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 3 (12.1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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FÜHRERZEITÜNG HERAUSGEGEBEN YON BEB BÜ5DESLEITÜNG D. JÜDISCHEN WANDEBBÜNDE BLAU WEISS Dezember 1920 ♦ Jahrgang II des Führerheftes ♦ Heft 3 Der Praktikantentag; Am 7. November fand in Berlin der Praktikantentag statt; es hatten sich etwa 100 Praktikanten und SO andere Zuhörer eingefunden. Im Mittelpunkt der Erörterungen standen die beiden nachfolgenden Referate von Weinberg und Pinner über gärtnerische und landwirtschaftliche Ausbildung. Man stimmte im allgemeinen restlos dem zu, was in den Referaten gesagt war. Im übrigen war zu bemerken, daß alle Praktikanten in gleicher Weise auf dem Standpunkt standen, es sollen nur diejenigen Landwirte und Gärtner werden, die sich zu diesen Berufen berufen fühlen. Diese Berufe zu ergreifen, nur um nach Palästina hinüber gehen zu können, ist ganz unmöglich, denn sie fordern den ganzen Menschen, "und in Palästina wird sie eben nur der ausüben können, der als ganzer Mensch sie» beherrscht. Der Praktikantenbund soll sachlich und fachlich seine Milglieder unterstützen, er soll dahin zu wirken suchen, daß alle seine Mitglieder sich gerade durch ihren Beruf in ihrem Berufe gegenseitig eine Stütze sind. Man schied vom Praktik antentag mit dem Glauben, daß in Zukunft auf diesem Gebiete gute Arbeit geleistet werden kann und wird. Erfreulich war auch der ziemlich einheitliche Wille, sich in Palästina in Kwuzdth zusammen zu schließen und möglichst schon hier in Arbeitsgruppen zu arbeiten, um drüben dann um so leichter zusammen arbeiten zu können. Gärtnerische Ausbildung. Die gärtnerische Ausbildung jüdischer Menschen wie überhaupt die Zuführung der jüdischen Jugend zur Bodenarbeit ist wohl das schwierigste Problem, das uns zu lösen aufgegeben ist. Es ist genug darüber geschrieben und noch viel mehr darüber gesprochen worden, und es ist bis jetzt kaum gelungen, einen Weg zu finden, der festen und sicheren Schrittes begangen werden, könnte. Woran liegt das nun?. Haben wir uns einmal die Mühe gegeben, dem tiefsten Grund dieses Versagens nachzuforschen? Haben wir nicht meist die Ursache da zu entdecken gewußt, wo es sich um Nebensächliches handelt, und nur nicht da, wo sie in Wirklichkeit liegt, nämlich: in uns selbst. Wer von Ihnen kann von sich selbst sagen, daß er jene psychischen Voraussetzungen und die Befähigung besitzt, die ihn unbedingt zu einem solchen Gärtner oder zu einem solchen Bauern werden lassen können, wie es unsere christlichen Staatsgenossen von Natur aus sind? Man würde sich einer ganz gefährlichen Selbsttäuschung hingeben, wenn man das behaupten wollte. Und einige Momente aus der Entwicklungsgeschichte der Berufsumschichtung werden meine Behauptungen er-