Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 1-2 (10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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FÜHKEBZEiTUNG HERAUSGEGEBEN VON DER BUNDES LEITUNG D. JÜDISCHEN WANDERBÜNDE BLAÜWEISS OM.-&OV. 20 ♦ Jahrgang Ildes Fährerfieftes ♦ SLeft l und 2 Gedanken zur Kunsterziehung, Goethe an den Herzog Karl August: „Der grossen Besultate sind so wenig, und je Tanger man ^Gegenstände betrachtet, desto weniger getraut man sich etwas allgemeines darüber zu sagen. Man möchte lieber die Sache * selbst mit allen ihren Teilen ausdrücken oder gar schweigen.** (Bom, 17. Norember 87) ■■•■■'■■ ■t.- : ■... ,. ■■' -/■,: '. Kunsterziehung als Erziehung zum Betrachten künstlerischer Leistungen ist für uns bei der fortwährenden und alltäglichen Berührung mit Kunstwerken eine nötwendige Forderung, deren Bedeutsamkeit mit Gründen nicht erst braucht vertreten zu werden. Ist doch die Aufgabe, auf den Weg der rechten Erkenntnis von allem, vdas uns tatsächlich begegnet oder doch begegnen sollte, zu führen eins mit der Aufgabe der Erziehung überhaupt. Ebenso wie Dingen der Natur gegenüber die Einsicht bei uns lebendig ist und längst gewirkt wird, daß ein allgemeines vorhandenes Naturgef ühl zu ihrem Verständnis nicht ausreicht, wie sehr vielmehr erst das eindringliche und arbeitsame Versenken den Zugang zu ihnen eröffnet und die ganze Fülle von Mannigfaltigkeiten entdeckt, ebenso wird man vor künstlerischen Dingen nicht bei unbewußten Hochgefühlen stehen bleiben können, sofern man Anspruch darauf macht, das Kunstwerk in seiner Hefe zu erfassen. Diese Absicht, unsere eigenen erkennenden Kräfte aufzurufen, stellt unsere Kunsterziehung selbsttätig in Gegensatz zum Kunstgenuß der Umwelt. Benutzt k^iese das Kunstwerk, um -unfaßbare- Ich-Erlebnisse rauschhaft zu steigern oder, {aus einer falschen Aesthetik heraus) in ein weltfernes Wucderreich zu fliehen, um den praktisch-nüchternen Aufgaben des Tages zu entgehen, so *ist unser Gedanke an einer Kunsterziehung das aktive Eindringen in die Gegenständlichkeit des Kunstwerkes. Unser Wille geht dahin, es zu packen, statt von ftroi gepackt zu weiden, .- - ' ' II - .'*■'.•! Damit ist die Frage nach der Objektivität des Kunstwerks zur Beantwortung gestellt, und in der Tat wird erst aus ser Einsicht in die Bedingungen, lienen das Kunstwerk genügt, Klarheit über Richtung und Maß praktischer Kunsterziehung hervorgehen. Sind die Erzeugnisse der Natur gewachsen, Glieder weiner unaufhörlich bestehenden Kette, und begründen sie ihr Dasein mit nichts als dadurch, daß sie da sind (Anmerkg.: Natur ist weder gut noch schön, wir machten sie denn zur — Landschaft), so sind die Gebildeter Kunst geschaffen, einmalige Formungen eines bestimmten Geistes, die sich erst dadurch rechtfertigen,