Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 6 (1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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wenigstens an e i n e Stelle der Erde das Galuth, das Zerfallen von Alltag Sabbath und das Verstri^tseiu m eine fremde Umwelt auszuschalten, ist so m* -geheuer, daß vor dieser Notwendigkeit alles, andere — aber auch alles — zurücktreteu muß. * \ - > i Und da sehe ich gerade für unsere Erziehungsarbeit eine schwere Gefahr aufsteigen. Ich kann nicht umhin, hier auf ein mir verhängnisvoll erscheinendes Wort Bubers hinzuweisen: Zion könne ein jüdisches Albanien oder die Mitte der Menschheit werden. - -- ' •. - Und die hier unausgesprochene zugnmdeliegende Anschauung, wie sie gerade in den Kreisen der Jugend aufgefaßt wird — fast durchweg im Jerubbaal.— ist die: wir wollen Zion nur, insoweit es die Mitte der Menschheit ist, um nicht mißverstanden zu* werden, sage ich ausdrücklich: letzten Endes wollen, wir alle Zion als Mitte der Menschheit, will jeder höherstrebende Mensch seinen Kreis als Mitte der Menschheit, als heiligen Ort — Wir aber, wir Juden des Galuth, find noch nicht einmal in einem jiidischen Albanien, wir haben noch nicht einmal das allerfchlrmmste, bedingungsloseste Galuth überwunden; wir wissen ja garnicht, können Least unseres Galuths garnicht wissen, wie die Mitte der Menschheit beschaffen sein muß. damit sie wirklich die M i t t eder Menschheit und nicht ein Kloster inmitten der Menschheit sei. — Wir dürfen niemals vergessen, daß unser Galuthschicksal rms richtuugslos gemacht hat, daß alle unsere Galuth ideale, ob wir sie nun aus eigenem oder fremdem schöpfen, ob sie mm Sozialismus, Pazifismus, Religion oder sonstwie heißen, so . wie w i r sie denken, so.wie wir sie realisieren wollen, irgendwie Produkte eben dieses Galuth sind, aus dem wir herauswollen, herausmüffen, wenn wir nicht unLcrgehen wollen. Wir gingen aus: Zion zu suchen, um das Galnth zu überwinden, nun suchen wir etwas, was irgendwie Galuth ist, in Zion. Mit Schrecken bemerken wir gerade in unserer Jugend Symptome eines - dogmatischen Sozialismus, eines schrankenlosen Pazifismus, der sie schon zu den ttefsten Konflikten mit ihrem Zionismus geführt hat, der sie geneigt macht, lieber auf Zion zu verzichten, wenn es dort nicht möglich sein sollte, die Diktatur des Geistes aufzurichten. Wer nicht selbst durch diese Konflikte hindurchgegangen ist, .kann ihre Gefahr garnicht ermessen. So gewiß die großen Ideen der Menschheit, > der Sozialismus, der Pazifismus, die Religiosität, höher, menschlicher find als der Rationalismus, der schließlich nur eine Rahmenidee ist, so wenig dürfen wir Juden des schrankenlosen Galuth uns ihnen mit Haut und Haar verschreiben, so. wenig dürfen wir ihnen das Primat Ln unserem Denken zuerkennen. — Ern sehr feiner Kopf sagte neulich einmal: wenn ich nicht Jude wäre, wäre ich nicht Rationalist. - Dieser Satz enthält eine sehr Liefe Wahrheit. W i r müssen erst einmal das aller- / gröbste Galuth überwinden und sei es auch, daß dies vorerst mrr in der Form eines jüdischen Albanien geschähe. Wir glauben freilich daran, daß dieses jüdische -Albanien zur Mitte der Menschheit emporwachsen wird, wir glauben daran, daß einst von .Zion die Lehre ausgehen wird, wir glauben daran, daß einst alle Volker zum Berge des Jakobsgottes kommen werden, aber, noch sind die Bedingungen nicht gegeben. Die jüdische Auffassung der Welterlösung war von je beherrscht von der Vorstellung eines Geschichtegottes. Und darum kann unser Teil nur sein, anzuknüpfen an die realen Bedingungen, aufzubauen auf dem, was möglich ist, auch, wenn diese Möglichkeit Kompromisse in sich schließt. Die Notwendigkeiten des unter allen Umständen zu realisierenden jüdischen Palästinas, Zions, schaffen erst die Plattform, von der aus wir den gewaltigen Bildungsstoff, der uns hier eutgegen- 116