Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 6 (1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Januar J9J9 Jahrgang t fjeft 6 Grziehmigsreferal, gehalten auf dem Jugendlag ./ ^v -;v. Gehört die Erziehungsfrage an und fiir sich zu den schwierigsten Kulturproblemen, so scheint, die Frage der westjüdiscben Erziehung eine fast unlösbare Aufgabe zu sein.' - - Die ganze Tragik, das ganze Elend unseres Galuthschicksals tritt uns hier mit unerbittlicher Klarheit vor Augen. Denn während man bei den anderen Völkern zwar um Ziele und Wege der Erziehung heute ebenso ernsthaft ringen muß wie bei uns.und während die europäischen Völker sich , durch die gewaltigen Erschütterrungen, die das Mittelalter ablösten, einem völlig veränderten Weltbild gegenübersehen, und Kulturaufgaben, fiir die sie trotz der großen, nun . schon 4 Jahrhunderte nmsaflenden Krise nicht die erlösende Formel gefunden haben, und während insolgedeffen ihre Erziehung ein dauerndes Experimentieren ist, so haben sie doch vor Ms eins voraus: Der Stoff, an dem und durch den sie erziehen, liegt für sie int großen und ganzen fest und es kommt für sie nur darauf an, was sie aus ihm machen, wie sie ihn verwerten. Sie haben zwar auch eine kritische Arbeit dem Stoff gegenüber zu leisten: Zu werten und auszuwählen, es Lestebt aber ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Stoff, mit dessen Hilfe sie erziehen und der Welt, in der sich ihr alltägliches Leben abspielt, und den Zielen, zu denen sie hinstreben. Nnd wemr es auch so etwas wie eine nationale Reinkultur nicht gibt, und ein dauerndes Geben und Nehmen stattfindet und stattfand, so haben diese fremden Einflüffe doch nur da zerstörend auf das innere Mark des Volkslebens einwirken können, wo die eigenschöpferischen Kräfte in einem Volke erlahmt waren oder die äußere Macht mit im Spielss war. Sonst hat der Austausch kultureller Werte nur veredelnd und bereichernd auf das Volksleben gewirkt. Er hat die Völker vor der Erstarrung und Verkrustung behütet, er hat ihren Blick geweitet, ihre Selbstkritik gefördert und so aufbauend gewirkt^ Ganz anders liegt die Sache bei uns. Die Welt, aus der wir kommen und die Welt, in der wir gehen ist eine andere als die Welt, in der wir leben. Die erste.unserer Erziehungsfragen ist deshalb die Frage nach dem Stoff unserer Erziehung. Soll es der Stoff unsrer Vergangenheit oder der Stoff unsrer ^GegenwarL sein, an dem wir unsere Menschen fiir unsere Zukunft erziehen. Welchen Wert haben diese beiden Stoffwelten für unsere Erziehung?