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Blau-Weiss-Blätter · 1918-03-01 · 4 (3.1918) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
4 (3.1918)
Date
1918-03-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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in aussichtsreichen Orten neue Ortsgruppen zu bilden, um der durch den Krieg kn ihrer Entwicklung gedrosselten Bewegung wieder ihre alten Kräfte zu geben. Ich möchte nun über meine zwar nicht allzu große Erfahrung in der Gründung neuer Ortsgruppen vor dem Kriege einiges sagen. Wenn ich das Gebiet des Theoretischen verlassen werde und rein persönliche Erlebnisse wiedergebe, so geschieht dies deshalb, weil ich überzeugt bin, daß diese meine Erlebnisse typisch find, d. b daß eS fast jedem, der hinaus in die Provinz kommen wird, um irgend ein paar Leuten, die begonnen haben, einen Blau-Weiß-Wanderbund zu gründen, zu helfen, so ergehen wird. Gewöhnlich ist also die Sache so: ES haben einige Zionisten, solche von der arbeitenden Art, von einer jüdischen Wanderbeweguug gehört und sehen darin ein gutes Mittel, um Zionisten zu machen. Ueberdies entspricht die natursuchende Art des Manderns, verbunden mit einer eventuell leicht hineintragbaren, militari« . fierenden Form dem Zug der Zeit und die Neugründer werden daher von jedermann, d. h. also Kultusgemeinde, zionistischer Volksverein, Frauenverein eventuell sogar Rabbiner auf das wärmste unterstützt. Auf sein Wesen reduziert stellt sich also das beginnende Wanderbündchen als vollständig von Erwachsenen gemacht, völlig ohne Zugendlichkeit, meist gänzlich fret von Wanderern dar, die sich jedoch gewöhnlich bald in Massen einfinden. Dieses ist der Zustand, in dem gewöhnlich die Schwierigkeiten beginnen, weil das wirkliche Wandern begonnen hat und der Führer nicht weiß, was er mit der Horde von oder 25 Buben und Madeln eigentlich anfangen soll. Ich will nun sagen, was mir geschehen ist, als ich in einen solche» Wander- Hund kam, draußen in der Provinz, als man sich an uns nach Prag um Hilfe gewendet hatte. Es war gerade die gründende Generalversammlung der Ortsgrrrppe. Einige Herren mit würdigen Bärten und schwarzen Kaiserröcken waren eben herzlichst begrüßt worden und der Referent, der das Thema: „die große Blau-Weiß-Bewegung" gewählt hatte, sollte bald beginnen, als ich mich plötzlich von ihm, dem blaffen Herrn,' der mit einer großen Aktentasche neben mir saß, lebhaft m eine Ecke des Saalesgezogen sah. Hier gestand er mir stotternd, daß er buchstäblich nicht wisse, was erlagen solle und überdies, er sei ein Kaufmann und in seinem Fache sicher keiner von den schlechten und ob ich ihm nicht helfen wolle usw. Ich versuchte, so gut es ging, ein Bild der wirklich treibender: Kräfte der jüdischen Wanderbewegung zu geben, mußte aber wieder sehen, als die Debatte eröffnet wurde, daß alle möglichen, persönlichen, kleinlichen Ränke, Rücksichten auf Cliquenspiel in der Gemeinde, Rücksichten auf alle möglichen Autoritäten, Bedenken' lächerlichster Art, (z. B., daß die Kinder zu bald aufstehen muffen, oder daß sie Sohlen zerreißen — es war vor dem Krieg — rc., rc.) die Köpfe beherrschten. / Daraus geht hervor: In den seltensten Fallen ist es möglich, daß in der Provinz ein Wanderbund entsteht, der tatsächlich den Vorstellungen entspricht, wie wir sie davon haben. Die Abhängigkeit von zionistischen Gedankengängen unterbindet eine freie Entfaltung des Gedankens: Menschentum in den Seelen der Zugend zu entwickeln. Es wird daher nicht anders gehen: Bünde, die schon weit fortgefchEteußu^ werden einzelne ihrer Führer — und es werden solche von den' betzchHßM — draußen exponieren müssen und diese mit Menschenkenntnis begabten Führer werden in zwei, drei Monaten vorbildlicher Führerarbeit die Grundmauern für den

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