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Blau-Weiss-Blätter · 1918-03-01 · 4 (3.1918) · p. [Seite]

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1917-1919)
Issue
4 (3.1918)
Date
1918-03-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Voraussetzung ist hier nicht nur die körperliche Eignung, sondern, auch dir Liebe zum Beruf deS Landwirts. Ich halte es für meine ganz besondere Wicht, alle dringend zu warnen, ohne eine solche, unbedingt notwendige Neigung, LmÄ- ""Wirt zu werden, und nach Palästina zu gehen. Die Erfahmngen, die mit diesen Landwirten drüben gemacht wurden, waren denkbar traurige, und die meisten von ihnen haben daS Land bereits wieder verlassen. Ich kann nur immer wieder wiederholen, daß eS wohl sehr leicht sein kann, ein Mal sein Leben für eine große Sache hinzugeben, daß es aber über unsere Kraft geht, täglich und stündlichfein Leben um einer Idee willen zu opfern. Der Beruf des Landwirts ist der schwerste aller Berufe. Seine Arbeit ist ungleich austrengender, als die des Arbeiters oder Handwerkers. Vom frühen Morgen bis zum spaten Aberrd ist er fast das ganze Jahr gezwungen, schwere körperliche Arbeiten zu verrichten, und nach europäischem Maßstabe wird der Bauer als tiefste soziale Schicht empfunden. Der jüdische Bauer wird sich zwar nie mit dem deutschen Bauern vergleichen lassen; seine geistige Regsamkeit wird auch seine Lebensführung beträchtlich anders gestalten, aber die Arbeit als solche ist auch in Palästina nicht leichter, im Gegenteil, die schlechteren Lebens» bedinguugen, das ungewohnte, zum Teil noch ungesunde Klima, werden sie bedeutend erschweren. . 7 - Nicht alle, die nach Palästina gehen wollen, werden die Eignung zum Landwirt besitzen, und die notwendigen Bedingungen erfüllen, denen sich jeder, so schmerzlich die negative Feststellung sein kann, unterwerfen muß. Auch das Mer wird entscheidend mitsprechen. Zu einer Berufsänderung ist nach allgemeiner Ansicht unserer Fachleute nur bis zu einer gewissen Altersgrenze von durchschnittlich drei bis vierundzwanzig Jahren zu raten. Bei Aelteren ist die Anpassungsfähigkeit, die eine mehrjährige landwirtschaftliche Ausbildung als Lehrling erfordert, zu gering, wobei nicht nur das körperliche Aushalten, fonberu auch das seelische Durchhalten mitwirkt. Die unterste Altersgrenze wird das 15. Lebensjahr sein, wenn der Junge körperlich gut entwickelt ist; im. allgemeinen wird man sogar ein möglichst ftühzeitiges Anfängen der Lehre fiir sehr gut halten. Auf alle Examina, selbst auf das Einjährige, können wir. gern verzichten. . ' - ' Andere Voraussetzungen bestehen nicht. Sogar das zur Lehrzeit erforderliche Geld wird man im Notfälle anderweit beschaffen können, da es Organisationen gibt, die für diese Zwecke Gelder zur Verfügung stellen. Die Ausbildung zum Landwirt wird ja vorläufig nur in Deutschland, und nicht in Palästina erfolgen können, was übrigens, nach Ansicht der meisten Fachleute, der jüdischen und deutschen, auch wünschenswert fern soll. Ruppin und Oettinger dagegen ziehen ein sofortiges Beginnen der Lehrzeit in Palästina vor, weil - die Anpassung an Land und Klima, nach ihrer Ansicht, die in Deutschland bestehenden Vorteile der besseren Landwirtschaft aufwiegt. Die Auswahl geeigneter Lehrgiiter erfordert besondere Sorgfalt. Gerade die erste praktische Arbeits- und Lehrzeit übt einen fürs ganze Leben entscheidenden Einfluß aus. „Die Errungenschaften der ersten Lehrjahre," so schreibt Oettmger mit Recht, „haften in uns mit der größten Zähigkeit. Wer diese ersten Berufsjahre nicht ersprießlich ausnutzen konnte, der wird später nicht dazu kommen, das Verlorene nachzuholen." Allseitig gewarnt wird vor einer Ausbildung auf einem größeren Gute. Anm. 3. Anm. 3) Wir versuchen daher in Schleswig-Holstein in einem Dorf eine größere Anzahl Blau-Weißer, Jungen und Mädchen, als Lehrlinge unterznbringen. 66

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