Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1917-1919)
- Issue
- 2 (8.1917)
- Date
- 1917-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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konzentrierter Arbeit^ zn der Erkenntnis, daß der Weg nach Zion keine Straße ist. sondern nur im Gänsemarsch passiert werden kann, und legitimiere» wir unser« Zionismus nicht nur durch unseren Kopf und unser ■ Herz, sondern durch unsere Leine., Derliu Gerhard Schote» Oratio pro domo aus im et stadial Welch Glücks daß wir die Führerzeitung haben! Wir kennen jetzt einander die Wahrheit sagen, ohne sie gleich durch Versicherungen inniger Freundschaft z» entkräften; wir können unsere Ueberzeugung vertreten, ohne sofort hmzuzufügen: reg dich nicht auf, geliebter Gegner, es ist nicht so bös' gemeint. Wir wollen ja alle dasselbe. Unter Gefährten ist's übrigens ganz egal. . . ' Die Führerzeitung wird der Reinlichkeit und Klarheit dienen, wenn ehrliche Meinungen entschieden und rücksichtslos darin verfochten werden. Sie wird dar Licht sein, daß die trübe Atmosphäre des Klatsches, der Privatbriefe, des geheimen Argwohns erhellt, sie wird Entscheidung oder Einigung vorbereiten, wo bisher Miß- Verständnisse herrschten. In dieser Ueberzeugung nehme ich mir das Recht, schonungs* los aufzudecken, was ich für die Grundschäden des Blau-Weiß halte. Manche unserer Führer, darunter solche, die auf die Entwicklung unseres Bundes Zweifellos Einfluß besitzen, haben dem Wandervogel der Nach-SachfenLurgepoche angehört oder ihm doch nahegestanden, als er zufrieden unt dem Erreichten die Hände in den Schoß zu legen begann und auf den Lorbeeren des alten Ruhmes die Aussicht auf eine lichte Zukunft verdöste. Sie haben dort allerlei gelernt; wir dursten uns an den Schätzen, die sie Mitbrachten, bereichern. Ich will nichts dagegen sagen; es tat uns bitter not. Aber während wir uns mit den Blüten schmückten, die in stemden Gärten gewachsen waren, ließen wir uns von ihrem Duste betäuben, so daß wir nicht mehr imstande waren, zn unterscheiden, was uns frommte, was nicht. Wir unterlagen demselben Verhängnis, wie die westliche Judenheit nach der Emanzipation. Wir waren so arm, die anderen schienen uns so reich; in dem Gefiihl unseres Nichts rafften wir wahllos zusammen, was wir fände». Und wir begriffen schnell, lernten zünftig reden und gehen, uns kleiden und benehmen, wußten Volkslieder zum Klange der Klampfen zn fingen — ein wenig schlechter als die Deutschen — tanzten wie deutsche Bauern des Mittelalters — ei» wenig ausdrucksloser als sie — legten Wert auf Stil und schone Gefiihle. Wir traten ganz in die Welt des Wandervogels ein und merkten nicht, daß eS eine greisenhafte Welt war, die uns aufnahm, ein Museum der Empfindungen und Gedanken, wo alles etifettiert ist, jedes Stück an seinem Lestimmten Platz liegt. Denn der Wandervogel, der einst eine Revolution der Jugend gegen das unerttäglich Eingebürgerte war, ohne daß er eS wußte, ist selbst Philister geworden, seitdem er sich eingebürgert hat und (durch Blüher) weiß, was er war. Aridem schleichenden Gift der Reflexion ist die Idee gestorben; seit man begann nach Motiven zn suchen, zu forschen und zu zergliedern, d. h. im Bourgeoissinn vernünftig zu werden, erlosch die steile Flamme des Ideals. Für die Himmelsstürmer der ersten Zeit, die Wegweiser war in diesem Wandervogel kein Platz mehr. Auch auf sie traf zu, was Hellmarrn im „Juden" schreibt: „Unmittelbare Tat ist die schranken* 30