Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2708078-2708092-2708095--555-2708680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Notizen Landesversammlung der Jesurun-Gemeinden. Am 14. und 15. Dezember fanden die Beratungen des Rabbiner- Verbandes und des Bundes der „Jesurun”-Gemeinden statt. Die Rabbinerversammlung fand wieder in den Schulbänken statt, die Laienversammlung in dem weitaus würdigeren Gremiumsaal. Der Bundespräses Dr. Viktor Stein dankte ab und war nicht zur Wiederwahl zu bewegen. An seiner Stelle wurde Dr. Aladär Porzsolt, der Präses der Pressburger Gemeinde gewählt. Vizepräses wurde Dr. Adolf Rcsenfe.d, Präses der Trnavaer Gemeinde Zum Präses des Rabbinerverbandes Dt. Schweiger-Nitra, Eckstein-Kosice. Halachisches Komitee: die Oberrabbiner Schweiger, Eckstein, Keller. Ins Landespräsidium sind die Rabbiner Keller, Dr. Klein-Nove Zämky, Dr. Stransky-Zilina gewählt dem Oberr. Dr. Schweiger ex offo angehört, Es wurde referiert, dass das Rabbinerseminar in Prag errichtet werde (mit nahezu 20-jähriger Verspätung), das Vor-Seminar in Nove Mesto oder Trnava. Wir hätten gerne einen Beg.üssungsabend für die Rabbiner gesehen, bei welchem einige Rabbiner einmal zur grossen Gesellschaft gesprochen hätten. Der Kewod-Hatora scheint momentan nicht allzugross im „Jesurun”-Verband zu sein. Es gibt da eine gute Garde junger Rabbiner, die die ihnen zukommende geistige Führung des Judentums in die Hand nehmen mögen. Sie sollten doch ein wissenschaftliches Zentrum schaffen und nicht die Wizo als hinreichendes geistiges Zentrum des slovakischen Judentums anerkennen. Vom Präsidium erhoffen wir die Erkenntnis, dass es einer Religionsgenossenschaft vorstehe und nicht einer jüdisch-nationalen politischen Organisation und dass mehr Kräfte zum Aufbau des inländischen Judentums, seiner religiösen, wissenschaftlichen und philantropischen Hebung benützt werden müssen. Die Pressburger Selicha — wieder eingeführt. Die von Kaufmann aufgefundene Selicha über den Märtyrertod des Rabbi Jonah in Pressburg aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stammend, wurde auf Anordnung des Rabbiner Dr. Funk am letzten Jomkippur beim Minchagebet rezitiert. (Der hebräische Text mit deutscher Uebersetzung ist schon früher in Gold’s ,.Juden und Judengemeinden Bratislava” von Bettelheim behandelt worden.) 100-jährige Geburtsfeier des Akiba Josef Schlesinger s. A. Das Gemeinde-Archiv bewahrt das Mohel-Buch des Chatam Sofer. Es enthält 736 Circumcisionen. Die 700-ste lautet: Jom olef jud-bet Kislew (1837) chituch u-pria hajeled Akiba Josef ben hat’ R Jechiel ben Rab Hirsch Beer. Es folgt der übliche Segen. Aus diesem Kind erwuchs einer der feurigsten Palästina-Pioniere. Er ist Mitbegründer von Petah-Tikwa. Er zog nach Zion, da ihm selbst das Gemeindeleben unter Rabbi Feisch Fischmann s. A. zu fortschrittlich dünkte, gegen den er in Wort und Schrift wetterte. Sein 100. Geburtstag sei hier vor der Vergessenheit bewahrt. Eine ausführlichere Würdigung dieses schwärmerischen Chowew Zion und seiner Editionen in Pressburg, Kaschau und Jerusalem folgt. Welches ist unser wahres, höchstes Ziel? Die Thora, die Bibel selbst fasst im Abschnitt Behukotaj den Sinn und Zweck aller ihrer Gebote in den einem Satz zusammen: „Wenn ihr nach meinen Geboten wandeln werdet, gehorchen werdet und sie ausüben ... so werdet ihr in Sicherheit in eurem Lande wohnen. Darum ist alles Secher lijeziat mizrajim. Darum war die Parole des grössten jüdischen Führers der Neuzeit: die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte! „Die grösste Idee im Staate ist die Sicherheit” sagt der englische Kanzler. An der Spitze der Nation, des Volkes steht nicht der Priester, nicht der Universitätsprofessor, nicht die Finanzkapazität sondern der Mann, dem man die Fähigkeit zutraut, die Sicherheit des Staates, des Volkes zu garantieren. Er ist der Staatsmann par excellence Wir gemessen in wenigen Ländern Sicherheit, aber am wenigsten in Palästina, weil wir keine staatsmännische Talente als Führer haben. Wo die jüdischen Führer bedeutende Staatsmänner sind, leben die Juden in Sicherheit. Die zionistische Leitung hat die Unsicherheit Palästinas am Gewissen, aber auch in Ländern ausserhalb Palästinas wächst die Unsicherheit der Lage der Juden, ln unserem Lande hat der Philosemitismus starke Einbusse erlitten, nur durch politisch unreife Führer. Mit apologetischen, metaphysischen und religionsphilosophischen Reden und Aufsätzen ist es nicht getan. Im Gegenteil. Dieses Ueberwuchern der schönen Styl- 34