Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 25-26 (November 1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ster der Gerechtigkeit). Der noch im besten Andenken stehende Rabbi Leser Katz (Lazar Kohn) soll auch der Familie Sturm angehört haben. Korn scheint die Germamsierung des Namens Kohn zu sein. Philipp Korn hiess hebräisch Raphael, ein Name, der in seiner Familie oft wiederkehrt. Aus seiner Jugendzeit sind keine Spuren zu finden. Er ist bereits 1835 Verlagsbuchhändler am Pressburger Schlossgrund und gibt mehrere Jahre lange einen in Karton gebundenen Katalog seiner Buchhandlung heraus, unter dem Titel Bibliotheca Hungarica, Der abgebildete Katalog No. 3 vom Jahre 1839 gewinnt dadurch erhöhtes Interesse, da er auch einen Beitrag zur Jahrhundertfeier der grossen Pester Sintflut vom Jahre 1838 bildet. Korn entwickelt frühzeitig eine schriftstellerische Tätigkeit in der Pressburger „Pannonia” unter dem Namen Karl Ferencz. Als solcher gerät er in harte Fehde mit Flurban, der ihn in „Slovenski Närod” und „Orol Tatransiki” angegriffen hat. Dieser Kampf kulminiert in einer Duellforderung, die Hurban durch seinen Freund Boleslav Nossek dem Philipp Korn zukommen liess, über die aber Korn nichts weiter berichtet. Graf Karl Zay hatte damals die Union der Calviner und Lutheraner propagiert, eine Bemühung, die Hurban aufs Heftigste bekämpfte, weil er darin die Tendenz erblickte, die lutheranischen Slovaken in das zumeist aus Magyaren bestehende Calvinertum einzuschmelzen. Der grosse Verlagsbuchhändler ist gänzlich der Vergessenheit anheim gefallen. Merkwürdigerweise erwähnt ihn Sigmund Mayer in seiner Schilderung des vormärzlichen Pressburger Judentumes gar nicht, während er die Vorkämpfer des Fortschrittes, unter welchen ja Korn eine Rolle gespielt hat, wie Lazar Horowitz, Raphael Basch und Adolf Neustadt ausführlich behandelt. In Korns Verlag erscheint das erste ungarisch-hebräische Gebetbuch, ein Druck der Budaer (Ofner) Universitätsdruckerei. Soweit es uns bekannt ist, hat dieses vielfach interessante Andachtsbuch drei Auflagen erlebt. Die erste Auflage von 1500 Exemplaren, ist, wie Korn in der zweiten Auflage bemerkt, rasch vergriffen worden. Interessant ist der Aufruf zur Subskription, welchen Korn an alle jüdische Gemeinden Ungarns versendet, bezeichnender Weise in deutscher Sprache, da die meisten Gemeindevorstände damals noch des Ungarischen unkundig gewesen sind. Uns liegt das dem Zensor unterbreitete Exemplar des Aufrufes vor, der mehrere Stellen streicht wie das Bibelzitat: Unsere Feinde wrerden es sehen (wie patriotisch wdr sind) und sich schämen. Der Aufruf ist übrigens teilweise als ungarisches Vorwort zum Gebetbuch benützt worden und atmet mehr patriotisches als religiöses Gefühl. Er wendet sich zum Schlüsse gar an die nichtjüdischen Leser seines Gebetbuches, mit der Versicherung, dass die in diesem Andachtsbuche enthaltenen Gebete um die Rückkehr nach Zion nur ein Denkmal früherer Zeiten der Verfolgung des Judentumes darstellen, das Judentum, das unter dem jetzigen „milden” (szelid) Regime lebe, hege keine Sehnsucht nach Palästina! Sonst ist das Gebetbuch, im Jahre 1841 zum ersten Male gedruckt, nach dem traditionellen 9