Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 23-24 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer war Moritz Kornfeld? (Siehe vorige Ausgabe.) Die Briefe Kornfelds an Professor Rumy bilden ein prächtiges Material für den Graphologen. Man erratet schon Vieles beim ersten Blick auf die ungemein wechselvollen Schriftzüge. Wie ein Antlitz, dessen Mienenspiel alles verrät. Die Schriftzeichen werden schwach und unsicher, wenn er seine Sorgen äussert und recken sich keck empor, wenn er von einen Erfolg berichtet. Wie er inmitten der strenggläubigen Gemeinden in Munkatsch dieses schnöde Doppelspiel treiben kann, sich gleichzeitig um die Stelle eines jüdischen Gemeindearztes bewirbt und dabei jahrelange brieflich wegen seines Übertrittes zum katholischen Glauben unterhandelt! Munkatsch, den 13. X-ber 832. — Noch halte ich da, wo ich schon so lange halte, bin noch immer eingesperrt in das vermorderten(P) Judenthumes und kann mich nicht befreien. . . Aber diese Unentschlossenheit entsprang nicht aus Muthlosigkeit, oder aus Mangel an wahrhaften innigen Liebe zum Christenthum, sondern blos deshalb konnte nicht kräftig dazu schreiten, weil mein Weib, die eine sehr brave Mutter meiner Kinder ist, die ich lieben und schätzen muss, aus Familienrücksichten sich sehr dagegen sträubte; dies ist nun theils überwunden, theils wird sie sich eher dazu bequemen, wenn nur irgend gute Aussichten sich dazu zeigen und ich selbst bin jetzt dazu entschlossen . . . Meine Kinder wachsen mir heran und ich weiss nicht, welche Erziehung ich ihnen geben kann in diesem elenden Judennest ... So viele characterlose Juden, die es aus reinen Eigennutz thun, finden Prinzen zu Gönnern und ich, den Sie mein Verehrtester kennen, sollte unter Ungarns Grossen und Prälaten keinen Gönner finden können! Daran glaube ich nicht! Hier bin ich z. B. mit zwei bedeutenden und einflussreichen Protestanten, dem Hofrath Denceny(?) und dem gräflichen Praefectus . . . bekannt, die mich in jeder Hinsicht unterstützen wollten, wenn ich wollte Protestant werden . . . Aber, nein, ich will gleich das Beste wählen und Katholik werden . . . Er wählt zwischen drei Konfessionen die lukrativeste, aber droht doch ein bischen mit dem Protestantismus. 6—9. Sept. 832. — Nun brachte ich sie zur Einwilligung. Weiber sind in ihrem Glauben und in jeder Meinung sehr hartnäckig. Wie Sie selbst aus eigener Erfahrung wissen und wie das eclatante Beispiel der Frau v. Ullmann zeigt.. Ja, an diesem Schritte hängt auch das Wohl noch von 4 Personen ab, nähmlich mienes Weibes u. meiner zwei geliebten Kinder u. eines noch ungeborenen, womit die Meinige schwanger geht. Dieser Embrio bestimmt mich am meisten zu eilen, weil ich, wenn es ein Knabe ist, gesonnen bin es sogleich taufen zu lassen und nicht erst die grausame jüdische Zeremonie an ihn will verüben lassen. Mein Gemüth wird auch nicht eher Ruhe finden, bis ich vollendet haben werde, was mich schon seit fast 20 Jahren(!) beschäftigt. . . Die Rücksicht gegen meinen alten Vater habe ich in mir schon bekämpft und besiegt, besonders seitdem er sich mit diesem Gedanken durch den Übertritt meines Bruders Rumy Karl Georg, an welchen die Briefe Moritz Kornfelds gerichtet waren, ist 1780 in Iglo, jetzt Spisskä Nova Ves geboren, bekleidete in verschiedenen Orten Stellungen als Pädagog, war 1821—24 zweiter Rektor am ev. Lyzeum in Pressburg, trat später zur katholischen Kirche über und starb in Gran (Esztergom) 5. April 1847. Er war eine lebende Enzyklopädie und soll nach den Angaben seines Sohnes bei ioo.oco Artikel geschrieben haben. Er hatte Zeit seines Lebens schwer um seine Existenz zu kämpfen. Die UAg. Akademie der Wissenschaften besitzt auch seinen interessanten Briefwechsel mit dem Pressburger Verleger Wigand. 25