Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 23-24 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Währinger Friedhof bestattet wurde. Als sie gestorben, war sie ungefähr 17 Jahr alt, davon 15 Jahre krank — man kann sich denken, was wir in den 15 Jahren mit dem Kinde mitgemacht haben. Im Jahre 1860 haben wir unsere Tochter Pepi mit Eduard Engel verlobt, er war zu dieser Zeit Litograph in Wien. Ich habe ihr 4500 fl. und 500 fl. Beisteuer zur Möbelausstattung gegeben. Ausserdem hat mich die Ausstattung, Hochzeit und Nebenausgaben 2000 fl. gekostet. Die Hochzeit war am 8. Juni 1860. Noch im Jahre 1861 ist mein Bruder Jacob von Ungarisch Aitenburg nach Pressburg gezogen. Da er krank war, wollte er sich von den hiesigen Doktoren behandeln lassen, seine Wohnung war im Nesterhaus im zweiten Stock und er musste auf einer Tragbahre transportiert werden. Als die Träger über den hölzernen Gang kamen, stürzte der Gang ein, er mit einigen Trägern fliegen vom zweiten Stock herunter, er wurde erheblich verletzt und kränkelte fort bis er am 1. Tag Chanuka starb. Er hinterliess eine Witwe, einen Sohn und drei Töchter, alle 4 Kinder noch unmündig. Noch im selben Jahre ist mein Sohn Adolf aus dem Nürnberger Geschäft Politzer & Glück ausgetreten und hat sich mit einem jungen Manne, der im Ledergalanterie-Geschäft war und auch eine Fabrik geleitet hat, ein kleines Ledergalanteriegeschäft in Mariahilf gemacht, unter der Firma Adolf Kestler, er hat auch einen schönen Kundenkreis erworben und führte beinahe zwei Jahre diese Fabrik auf sehr solider Basis, so dass ich jedesmals, wenn ich nach Wien kam, mich sehr freute. Er ging später nach Deutschland in eine Bleistiftfabrik, dort blieb er nicht lange. Im Jahre 1863 als der Krieg in Schleswig-Holstein ausgebrochen, ist mein Schwiegersohn Engel mit seinem Bruder Jacob, da das Papiergeschäft in Wien schlecht ging, nach Holstein gefahren, um dort Geschäfte zu machen und auch Adolf kam hin. Die Geschäfte, welche sie im Kriege gemacht haben, waren ganz schön und sie haben sich eine schone Summe erspart, die sie aber zuletzt, durch eine schlechte Spekulation wieder verloren haben. Mittlererweile hatte ich den Auftrag, das Geschäft in Wien aufzulösen, es hat sich zwar von selbst aufgelöst, da es sehr schlecht ging, ich habe mein Geld darin gehabt und auch viel dabei verloren. Im Jahre 1864, im Sommer, habe ich erfahren, dass Adolf die Absicht hat, nach Amerika zu fahren. Damals ist ein Vergnügungszug von Wien nach Hamburg mit herabgesetzten Preisen angekündigt worden und da die Bruder Engel, wie Adolf sich in Hamburg aufhielten, habe ich mich entschlossen, den Vergnügungszug zu benützen und nach Hamburg zu fahren, um Adolf von seinem Vorhaben, nach Amerika zu reisen, abzubringen. Ich will in Kürze meine Reiseerlebnise niederschreiben. Es fuhren von hier 6 Personen, und zwar Pisztory Apotheker, Richter Spezereiwarenhändler, Pallehner Eisenwarenhändler, Pauschenwein und seine Frau und ich. Wir fuhren Donnerstag früh von hier fort und waren am Abend in Prag, dort übernachteten wir und Freitag früh fuhren wir über Bodenbach durch die sächsische Schweiz nach Dresden, wo wir Mittag ankamen und uns nur eine Stunde aufhielten, die 21