Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 23-24 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Tagebuch des Herrn Max Kestlers m. Im Jahre 1855, den 6. September den 6 Elul ist meine Frau mit einem Mädchen entbunden, welches wir Johanna nannten. Im Jahre 1854 als mein Kontrakt im Geschäft zu Ende war und ich ohne Ahnung mein Geschäft erneuern wollte, entdeckte mir Mossoczy, dass L.F . . . . mit ihm schon einen Kontrakt auf Geschäft und Wohnung abgeschlossen hatte. Es lässt sich denken, welche Aufregung das bei mir hergerufen hat, nachdem ich in dieses Geschäft soviel hineingesteckt habe, dort das Jahr 1848 mitgemacht habe. Wegen 100 fl, die ihm F. mehr versprochen hat, war er so ..., ohne mich vorher zu fragen, ob ich diese Summe mehr geben will und hat mit F. schon kontraktlich abgemacht. Es liess sich in der Sache nur mit gütlichen Mitteln etwas richten, ich habe verschiedene Mittel angewendet, es nutzte nicht. Es ist dann Herr Wolf Bachrach eigens von Wien hergekommen und hat die Angelegenheit folgendermassen geordnet. Ich musste F. 2 im Hause befindlichen Geschäfte, die nebeneinander waren ablösen, sie waren von Springer und Sussmann bewohnt, jeden 2000 fl. geben, damit sie mir die Geschäfte gütlich überliessen, ich musste F. daraus ein Geschäft machen und natürlich die 100 fl. pro Jahr mehr Zins zahlen, um nur mein Geschäft zu behalten. Ausserdem habe ich F. als Nachbar und Konkurrent neben mir gehabt. Ich habe aber mein Vertrauen auf Gott beibehalten und habe auch bei jeder Inventur mir einige tausend Gulden zurück legen können. Die Jahre 1855—1856—1857 waren ziemlich gute Geschäftsjahre und habe ich bei jeder Inventur ein schönes Geld zurückgelegt, ausserdem, wie schon erwähnt hatte ich meine Privatkasse, wovon ich das Geld separat verwaltete, indem ich hiesige Papiere ein- und verkaufte und damit ein sehr gutes Geschäft machte. Im Jahre 1858, den ersten April, 3 Tag vor Pessach ist meine Frau mit einem Mädchen entbunden, welches wir Helene nannten, mit welcher, wir leider viel mitgemacht haben, eine traurige Erziehung. Das Kind hat zu zwei Jahren die Fraisen bekommen und in der Nacht konnten wir keinen anderen Arzt bekommen als den Dr. Stern, welcher im selben Haus wohnte. Der Doktor hat das Kind unrecht behandelt, er hat ihr während der Fraisen Igel setzen lasen, wodurch sie viel Blut verlor. Von dieser Zeit an ist sie kränklich geworden und hat die linke Seite gelähmt behalten. Ausserdem hat sie ein Zucken zurückbehalten, welches von Jahr zu Jahr ärger wurde, bis es in epileptische Anfälle ausartete. Wir haben nichts unversucht gelassen, um dem armen Kinde zu helfen, wir haben sie jeden Sommer ins Gebirge geschickt und in späteren Jahren aufs Land nach Wieselburg zu meiner Schwester, jedoch nützte es nichts, sondern das Übel ist anstatt besser immer schlechter geworden. Wir konnten das Leiden der Armen nicht mehr mitansehen und haben sie nach Wien in ein Versorgungshaus gegeben, wo sie mich jährlich 600—800 fl. kostete. Dort war sie ungefähr 3 Jahre, wo sie den 27. November 1874 starb und auf den 20