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Judaica · 1937-07-01 · 23-24 (Juli 1937) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
4 (1937)
Issue
23-24 (Juli 1937)
Date
1937-07-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Biographien getaufter Juden Der unholde Chauvinismus, der in gleichem Masse vom religiösen wie vom nationalen Judentume Besitz nimmt und die Not der Unfähigkeit zur Tugend der Unduldsamkeit erheben will, äussert sich auch in einer gehässigeren Haltung den Konvertiten gegenüber, als es in dem idealen strengreligiösen Leben zu dessen schönsten Blütezeit, in der Aera des Chatam Sofer der Fall gewesen war. Wir werden uns bald auf den Liberalismus des Chatam Sofer berufen müssen! Intolerant ist nur die Unfähigkeit und die Unaufrichtigkeit. Wer von seinem Ideal durchglüht ist und in sich die Kraft fühlt, die erkannte Wahrheit allen Seelen miitzuteilen, muss nicht ohnmächtig mit Terror, Fluch und Bann gegen den Abfall kämpfen. Als man einst zum Gemeindevorsteher Kalman Pappenheim mit grossem Gejammer kam, er möge die bevorstehende Taufe eines Gemeindemitgliedes verhindern, sagte er ruhig: „Gott hat mir beim Amtsantritte nicht soundsoviel Seelen zugezählt, die ich ihm wieder vollzählig zurückgeben soll. Wer sich taufen lassen will, möge sich taufen lassen”. Er hat in der Tat mit dem Neubau der grossen Synagoge, der Akquisition des Rabbi Fleisch Fischmann, der Reorganisation der Schule und mit seiner vorbildlichen salonfähigen Orthodoxie besseres für die Erhaltung des Judentums getan. Das Unglück einer Armee ist nicht der Deserteur, sondern der schlechte General. Die Haltung der jüdischen Presse (sie muss mehr auf Erhaltung als auf Haltung bedacht sein) gegenüber den Täuflingen, ist einfach potzdumm, der Effekt ist ja gleich Null! Hingegen sind alle diese völlig wirkungslosen Artikel geeignet, den christlichen Leser zu verletzen. In der Tat grollt „Magyar Kultura”: „Wir können es doch nicht ewig dulden, dass jeder, der sich unter die Fittiche des Christentums begibt, von der jüdischen Presse verhöhnt und geächtet wird!” Der Täufling selbst wird damit zum Antisemiten gemacht, wie die vielen Zehntausenden von Christen, die von jüdischen Eltern stammen. Wie wars in unserem Pressburger Ghetto? (Saphir, der schlecht getaufte Jude, war der gefeierte Gast in seiner strengorthodoxen Familie, ja er hielt sogar eine Rede bei der Einweihung der isr. Kinderbewahranstalt und Mädchenschule. Freilich hatte man in der alten Pressburger Judenstadt Ursache, den Täufling nicht mit Schimpf und Schande zu bedenken, da die Riesenerbschaft nach dem Täufling Anton-Calman-Wannefried den Sieg der Orthodoxie über die überlegen gewesene Fortschrittspartei brachte, die Rettung und Erhaltung der Jeschiba bewirkt hat und einen wahren Goldregen über alle jüdischen (und nicht jüdischen) Institutionen niedergehen liess. Darüber hat Paul Diamant ja eingehend berichtet (Judaica n —12), wie das Rabbinat und der Gemeindevorstand in einem Protokolle die Identität der Erben mit ihrer Unterschrift bekräftigten, an der Spitze eine der wenigen deutschen Unterschriften des Chatam Sofers. Paul Diamant fügte 17

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