Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 4 (1937)
- Issue
- 23-24 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Neue Beiträge zur Heine-Forschung Der Originalvertrag der Stadt Tyrnau mit Simon Michel Der historisch merkwürdige Vertrag, welchen die Stadt Tyrnau vor der ungarischen Kammer in Pressburg am 20. Dezember 1717 mit dem anerkannten Vertreter der Judenheit, Simon Michel, abgeschlossen hat, wonach der seit zwei Jahrhunderten verbotene Durchzug von Juden durch die Gemarkungen der Stadt Tyrnau wieder gestattet wurde, ist nur durch eine im ungarischen Landesarchive befindliche deutsche Übersetzung dieses Vertrages, welche einem Prozessakte Bachrach beigelegt worden ist, vor der Vergessenheit bewahrt worden. Dass aber dieser an sich denkwürdige Vertrag einen wichtigen Beitrag zur Familiengeschichte Heines bilde, hat erst Prof. David Kaufmann entdecken können. Der berühmte Gelehrte hat .mit Hilfe des Archivars Johann B a t k a im Pressburger Stadtarchiv geforscht, man findet da seine Spuren, er hat mit flüchtigem Bleistifte hingezeichnet: Kopiert von Kaufmann 24/4 1894. Das Archiv der orth. Gemeinde war damals für Jedermann unzugänglich und ein Professor des Pester Seminares konnte keines freundlichen Empfanges gewärtig sein. Kaufmann kennt nicht das Testament des Ahnherrn Heines, das auch im Pressburger Gemeindeprotokoll deponiert ist und kennt nicht die Tempelbauten der Familie Simon Michels. Zudem galt die Meinung, dass das Archiv der Gemeinde im Jahre 1811 beim Schlossbrande völlig vernichtet worden sei, und keine mündliche Tradition wusste etwas von dem grossen Judenrichter zu erzählen. Erst Wachstein hat 20 Jahre später sich Kopien aus dem Protokolle der orth. Gemeinde machen lassen. Er behandelt schon die Beth-Hamidrasch-Stiftung Simon Michels und deren Übernahme seitens der Gemeinde unter Koppel Theben. Eigentümlicherweise erfuhr Wachstein garniaht, dass das Beth-Hamidrasch noch heute bestehe und seiner Bestimmung diene. Wachstein hat auch niemals die Aktenbündel des allerdings noch immer ungeordneten, wenn auch wohlbewahrten Gemeindearchives durchgeforscht, wo überraschenderweise noch imlmer manches zur Ergänzung der Simon Michel-Forschung zu finden ist, obwohl seither das Feuer dreimal das Archiv zerstört hat. So entging den Forschern bisher das historisch interessanteste Archivstück der Pressburger Judengemeinde, das Original des Friedensvertrages mit der Stadt Tyrnau. Die deutsche Version des Vertrages (Ung. Landesarchiv, Buda, abgedruckt in Kaufmanns „Heinr. Heines” Ahnensaal.) Wir der königl. kays. May, Unsern allergnädigsten Herrn Herrn des König. Hungar, Kammer-Praesident, Vice-Praesident und Rath, thun, geben, Zuwissen Jedermänniglich, dass nachdeme Hochged. Thro Röm. Kaysl. und König. May auf bey sowohl Ihrer Kaysl. und Königl. May, als auch dero Dicasterien der Juden öfentl. gethanen Klagen, dass nehmlichen die Juden auf dem Grund und Boden der Königl. Freystadt Tyrnau, oder zu besagten Stadt gehörigen Dorfschaften und Güttern Handlungs- oder andern Ursachwillen auch 6